Auslandsdiensteinsatz als Zivildienst-Alternative, Tips Steyr, März 2005

01.03.2005

Projekt Beschreibung

8 9. Woche 2005    Land + Leute    Tips Wahlmöglichkeit: Seit 1992 können Österreicher ihren „Dienst am Staat“ durch einen Einsatz im Ausland ableisten Auslandseinsatz als Zivildienst-Alternative ÖSTERREICH/DIETACH. Jakob Kapeller aus der Ge- meinde Dietach ist einer jener jungen Männer, die ihren „Dienst am Vaterland“ in Form eines Zivildienstersatzes im Ausland ableisten. Für jeden jungen Österrei- cher kommt nach der Schule oder der Lehre die Zeit, in der er seinen Dienst an der Repu- blik zu absolvieren hat. Die meisten entscheiden sich nach wie vor für den (noch) achtmo- natigen Wehrdienst beim Bun- desheer. Neben dem Zivil- dienst gibt es noch einen drit- ten Weg, der jedoch nach wie vor kaum bekannt ist, den Aus- landsdienst. Steigerung des Ansehens unseres Landes in der Welt Bereits seit 1992 gibt es für junge Österreicher die Mög- lichkeit, den Zivildienst durch einen 14 Monate dauernden Er- satzdienst im Ausland zu absol- vieren. Ein Auslandsdiener trägt mit seinem Dienst zur Hebung des Ansehens von Österreich im Ausland bei. Vor allem wird ihm dabei die Mög- lichkeit geboten, einzigartige und persönlichkeitsbildende Erfahrungen zu sammeln so- wie in sinnvollen Projekten mitzuarbeiten. Jakob Kapeller ist für den So- zialdienst vorgemerkt, den er beim „Verein für Dienste im Ausland“ ab August 2007 für ein Jahr in der weißrussischen Hauptstadt Minsk absolvieren soll. Neben seinem sozialen En- gagement nennt der Dietacher sein besonderes Interesse für das Leben im slawischen Raum als Motiv für seine Wahl. Gedenkdiener halten die Erinne- rung an die Opfer des National- sozialismus wach.    Foto: Schuster Jakob Kapeller engagiert sich für benachteiligte Kinder in Weiß- fahrungen. Die Arbeit in einem fremden Land eröffnet die Chance, eine bisher unbekannte Kultur kennen zu lernen und das Leben aus einem anderen Blickwinkel betrachten zu kön- nen. „Fremdenführer“ im Ghetto Gedenkdiener arbeiten etwa im jüdischen Kulturzentrum von Kazimierz im südpolni- schen Krakau. Kazimierz war vor dem Zweiten Weltkrieg eine der größten jüdischen Ge- meinden Europas und hatte über 60.000 Einwohner. Heute leben in Krakau weni- ger als 200 Juden. Als Gedenk- diener übernimmt man hier, im Zentrum für jüdische Kultur, die Aufgabe eines Fremdenfüh- rers durch das ehemalige na- tionalsozialistische Ghetto und durch das daran anschließende Gelände des ehemaligen Kon- zentrationslagers Plaszow. Die- ses wurde der Weltöffentlich- keit durch den Film „Schindlers Liste“ bekannt. Sozialdiener im Einsatz für pakis- tanische Kinder.    Foto: Schuster Diese    Arbeit    ermöglicht eine intensive Auseinander- setzung mit dem Holocaust und macht das Begreifen der schrecklichen    Verbrechen vorstellbar. So bietet der Ge- denkdienst die Möglichkeit, aus der schrecklichen Vergan- genheit Österreichs seine Leh- ren zu ziehen. Wer sich für den Zivildienst- ersatz im Ausland interessiert, findet im Internet unter der Adressewww.auslandsdienst.at zahlreiche Infos und Kontakt- adressen. russland. Um über einen der derzeit rund 20 existierenden öster- reichischen Auslandsdienst- Vereine in die Fremde zu kom- men, gilt es, eine intensive Vorarbeit zu leisten. Kapeller agiert seit vier Jahren als Schul- und Universitätsrefe- rent des Vereins und ist für die Kinderheime bzw. Kindergär- ten für Schwererziehbare so- wie im Hospizwesen für Tschernobylopfer in Minsk en- gagiert. Schwierige Finanzlage Finanziell ist es um den Aus- landsdienst derzeit nicht allzu gut bestellt. Die Republik Österreich fördert beim „Ver- ein für Dienste im Ausland“ im Jahr ganze zwölf bis 15 Stellen mit je 10.000 Euro. „Durch ein Splitting können wir das Geld auf etwa 20 Interessenten pro Jahr aufteilen und kommen so- mit halbwegs über die Run- den“, skizziert Matthias Roth- berger vom Verein die Lage. „Die    derzeit    agierende schwarz-blaue Regierung hat das Projekt des Auslandsdiens- tes deutlich auf Sparflamme gesetzt. Für die Zukunft zeich- net sich jedoch wieder eine leichte Besserung, sowohl beim Geld als auch bei den Planstel- len ab“, so Rothberger. Somit könnten Projekte, wie die Be- treuung von Straßenkindern oder die Mithilfe in SOS-Kin- derdörfern, wieder in einem größerem Umfang betrieben werden. Für den Friedensdienst, einer anderen Form des Auslandsein- Foto: Kapeller satzes, wird momentan eine Dienststelle in Hiroshima ange- boten. Gedenkdienst als Sühne für eine dunkle Vergangenheit Schließlich gibt es noch die Möglichkeit, im Ausland einen Gedenkdienst zu leisten. Dies dient in erster Linie der Aufar- beitung der nationalsozialisti- schen Vergangenheit Öster- reichs – etwa durch die Mitar- beit in Museen oder For- schungszentren, die sich mit den Opfern des Nationalsozia- lismus beschäftigen. Die Einsatzstellen der öster- reichischen Auslandsdiener be- finden sich derzeit in Brasilien, Argentinien, Nicaragua, Costa Rica, den USA, Afrika, Russ- land, Polen oder Indien. Die Arbeit der österreichi- schen Jugendlichen lässt sich an zwei Beispielen besonders gut demonstrieren: Seit Oktober 2000 besteht die Möglichkeit, den Auslands- dienst in den SOS-Kinderdör- fern in Pakistan zu leisten. Sozi- aldiener helfen dort bei der Be- treuung der Kinder und arbei- ten bei der Organisation des Kinderdorfes mit. Jeder kann mit seinem persönlichen Ein- satz und eigenen Projekten wie Ideen einen Beitrag zur Hilfe der in Not geratenen Kinder leisten. Dadurch gestalten die Aus- landsdiener in ihren 14 Mona- ten nicht nur einen wesentli- chen Beitrag zur Zukunft die- ser Kinder, sondern sammeln selbst wertvolle persönliche Er-

Projekt Details

  • Datum 17. September 2016
  • Tags Pressearchiv 2005

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