Auslandsdienst in Lateinamerika[Jakob Steinkogler], LSV-Salzburg, 27.06.2004

27.06.2004

Projekt Beschreibung

Auslandsdienst in Lateinamerika

Ein Gastartikel von Jakob Steinkogler (WSH Felbertal) Für jeden österreichischen, männlichen Staatsbürger, der als halbwegs gesund bezeichnet wird, ist es einmal soweit; die Pflicht ruft und er muss eine schwerwiegende Entscheidung treffen: Bundesheer oder Zivildienst. Eine oft nicht ganz leichte Wahl und viele vergessen dabei, dass es in unserem Staat eine überaus interessante Alternative gibt, den so genannten Auslandsdienst. 14 Monate raus aus Österreich, eine Arbeit verrichten, für die du dich immer schon interessiert hast und obendrein eintauchen in eine andere Kultur, eine andere Lebensweise – klingt doch nicht schlecht, oder? Seit 1991 besteht die Möglichkeit, über verschiedene Trägerorganisationen, einen Zivilersatzdienst in Ländern fast überall auf der Erde, in Form eines Gedenk-, Sozial-, oder Friedensdienstes zu leisten. Der grösste Trägeverein ist der Verein für Dienste im Ausland, der 57 Stellen, in 25 Ländern, auf 4 Erdteilen zur Auswahl bietet. Der Gedenkdienst hat es sich zur Aufgabe gemacht, bei der Aufarbeitung des Holocausts mitzuhelfen. Geschichtliches Interesse und ein Bewusstsein der Mitverantwortung Österreichs an den Geschehnissen des 2.Weltkrieges sind dabei Voraussetzung, um in Gedenkstätten und Holocaustmuseen z.B. in New York, Los Angeles, Montreal oder Paris mitarbeiten zu können. Für mich persönlich war es von Anfang an klar, einen Sozialdienst leisten zu wollen. Die Tätigkeitsbereiche dieser Sparte sind sehr vielfältig und reichen von Arbeit mit Straßenkindern in Lateinamerika bis hin zu Trinkwasserprojekten in Afrika. Der Friedensdienst ist der dritte und mit Abstand kleinste Bereich des Vereins für Dienste im Ausland. An insgesamt drei Stellen in Israel und Japan wird daran gearbeitet, Konflikten sinnvoll zu begegenen. Ziel ist es, durch ein gegenseitiges Verstehen zukünftige Auseinandersetzungen zu vermeiden. Um den richtigen Dienst und die richtige Stelle finden zu können, ist es wichtig, sich selbst gut einzuschätzen. Ein tiefgreifendes Interesse an der Arbeit sollte im Fordergrund stehen und als Leitmotiv der Stellensuche gelten. Bei mir hat’s geklappt. Ich bin beim alljährlichen Seminar des Verein für Dienste im Ausland ausgewählt worden und habe so die Möglichkeit erhalten, meinen Traum Wirklichkeit werden zu lassen. Plötzlich standen 14 Monate Sozialarbeit in Südamerika vor mir. Da ist einem schon mal etwas mulmig zu Mute, wenn man die Stufen des Flugzeuges hinaufschreitet und auf den Start in eine ungewisse Zukunft wartet. Gelandet bin ich in Lima, der Hauptstadt Perus. Meine Arbeit verrichte ich bei der NGO CEDRO (Informations und Bildungszentrum zur Drogenprävention), einer super Stelle, wie sich bald herauskristallisieren sollte. Dort fand ich gleich zu Beginn Vertrauenspersonen, die mir etwas Halt in einer Stadt des Chaos geben konnten. Es ist nicht leicht, sein Leben von einem auf den anderen Tag komplett umzustellen, doch mit der Unterstützung von ein paar Mitmenschen, geht das Ganze wesentlich leichter über die Bühne. Die Aufgabe CEDROS, dem massiven Drogenkonsum entgegenzuwirken, der in Peru vorherrscht, ist eine überaus schwierige. Das Problem steht in engem Kontakt mit der extremen Armut, die in weiten Teilen des Landes präsent ist. Die Regierung hat es bis jetzt noch nicht geschafft, dem noch immer vorherrschenden Koka Anbau im Inneren des Landes entgegenzutreten. Die Kultivierung des Rohstoffes für die Kokainproduktion ist nach wie vor ein bedeutender ökonomischer Faktor. Die Preise von Marihuana, Kokain und PBC (Pasta Basica de Cocaina) sind so niedrig, dass auch den armen Bevölkerungsschichten der Zugang zu diesen Suchtgiften möglich ist. Von Verzweiflung und Aussichtslosigkeit getrieben, beginnen viele, vor allem junge Menschen, mit dem Drogenmissbrauch, um wenigstens für kurze Zeit die traurige Realität vergessen zu können. Hiermit wird deutlich dass, um die Situation nachhaltig verbessern zu können, mehr nötig ist, als den Kindern und Jugendlichen mit erhobenem Zeigefinger zu sagen, dass sie ja keine Drogen konsumieren sollen. Ein grundsätzliches Umdenken ist nötig, den Menschen müssen Perspektiven im Leben aufgezeigt werden und es gilt vor allem Kinder und Jugendliche zu einer sinnvollen Freizeitgestaltung zu animieren. Genau hier setzt die Arbeit CEDROS an und ich versuche dabei Unterstützung zu leisten. In diesem Sinne führe ich kostenlosen Englischunterricht in verschiedensten Teilen Limas durch. Der Erfolg scheint gegeben, denn nachdem ich schon drei Englischklassen in ärmlichen Vierteln zum Abschluss bringen konnte, begann ich vor kurzem mit drei weiteren, in Zusammenarbeit mit dem Distrikt Jesús María. Durch Informationskampagnen macht CEDRO auf die Risiken des Drogenmissbrauches aufmerksam, denen sich viele Peruaner nicht bewusst sind. Immer wieder gibt es Messen, die mit Hilfe der verschiedenen Distriktsverwaltungen durchgeführt werden. Meine Kollegen und ich verteilen Flugzettel mit Informationen über Drogen, stehen für Fragen zur Verfügung und veranstalten Spiele und Wettbewerbe, um möglichst attraktiv für die Zielgruppe zu wirken. So soll ein Bewusstsein in der Bevölkerung entstehen, dass es sehr leicht möglich ist, durch eine Rauschgiftabhängikeit seine Zukunft zu verbauen und der Familie und sozialen Umgebung erheblichen Schaden zuzufügen. Abseits der touristischen Zonen Limas, herrscht oft bittere Armut. Die Menschen kämpfen Tag für Tag ums Überleben; Kinderarbeit ist zu etwas ganz Gewöhnlichem geworden. Gebrochene Familienstrukturen und fehlendes Einkommen seitens der Eltern tragen dazu bei, dass sich viele Kinder, meist ohne eigenes Verschulden, auf der Strasse wiederfinden. Der Teufelskreis beginnt: Drogen, Kriminalität und keine Aussicht auf eine bessere Zukunft. In diesem Umfeld unterhält CEDRO drei Auffanghäuser für Strassenkinder, sogenannte Casa Hogares. Die Kids haben dort einen Ort zum Schlafen, genügend zu Essen und die Möglichkeit einer ordentlichen Ausbildung. Doch auch CEDRO hat mit finanziellen Problemen zu kämpfen; Für 15 Jugendliche steht meist nur ein Erzieher zur Verfügung. Seit einigen Wochen verbringe ich viel Zeit in einem dieser Häuser, helfe mit, wo es nur möglich ist. Immer gibt es etwas zu tun. Sei es, bei den Hausaufgaben zu helfen, Spiele und kleine Ausflüge zu organisieren, oder einfach nur da zu sein, um den schier unglaublichen Erlebnissen der ehemaligen Strassenkinder zu lauschen. Nach dem Aufenthalt in den Häusern sollten die Jugendlichen fähig sein, ein eigenständiges Leben mit eigenständigem Einkommen führen zu können. Dies ist leider nicht immer der Fall, oft bleiben die sogenannten Piranhas nur wenige Tage, können sich einfach nicht an die Regeln eines geordneten Lebens gewöhnen. Doch diejenigen, die es wirklich schaffen, sich von der Strasse loszusagen und von Drogen und Kriminalität wegzukommen, geben Motivation genug, um mit Enthusiasmus weiterzuarbeiten. Natürlich besteht der Hauptteil meines Auslandsdienstes aus Arbeit. Dennoch habe ich die Möglichkeit, mir das Land anzusehen und die unbeschreibbar schönen Provinzen zu besuchen. Endlos wirkende Pazifikstrände, Andengebiete mit sagenumworbenen Ruinen aus der Präinkazeit und Amazonaswälder, in die die Zivilisation noch nicht vorgedrungen ist. Ich bin froh, den Schritt gewagt und mich für einen Auslandsdienst entschieden zu haben. Zu einer Zeit, die gewiss nicht immer leicht ist, insgesamt aber eine irrsinnige Bereicherung für mein zukünftiges Leben darstellt.   Kontaktadressen: Das Landesreferat Salzburg trifft sich regelmäßig im Petersbrunnhof. Wir würden uns freuen, dich bei einer geselligen Runde begrüßen zu dürfen um dich weitergehend zu informieren. Alle weiteren Informationen, Kontaktadressen und Termine sind auf der Homepage www.auslandsdienst.atersichtlich.

Projekt Details

  • Datum 17. September 2016
  • Tags Pressearchiv 2004

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