Auf akademischen Boden!, Tirol Kurier, 18.10.1994

18.10.1994

Projekt Beschreibung

Auf akademischen Boden!

Von Andreas Maislinger

In den letzten Tagen wurde regelmäßig über den „Tiroler Freihteitskommers“ am 22. Oktober berichtet. Und die auch nach den Nationalratswahlen die Stadt Innsbruck dominierenden Plakatflächen der Parteien werden zunehmend mit einer Warnung vor dem „Nazi-Treffen“ vollgeklebt. Man könnte meinen, daß es nach der Olympiaabstimmung, den Landtagswahlen und der EU-Abstimmung nun einen weiteren Wahlkampf gibt. Von beiden Seiten, den Unterstützern und den Gegnern, wird uns nämlich vermittelt, als handelte es sich bei dieser Veranstaltung um eine bedeutendes Ereignis.

Wie wenig differenziert die Auseinandersetzung um den „Tiroler Freiheitskommers“ der Burschenschaften abläuft, hat ein Pressegespräch mit dem Präsidenten des Freiheitlichen Akademikerverbandes und ehemaligen Dritten Präsidenten des Nationalrates, Gerulf Stix, gezeigt.

Zahlreiche ausländische Fernsehanstalten freuen sich bereits auf die „farbigen Berichte“ aus Innsbruck. Die Kontrahenten lassen schon jetzt ahnen, daß man für diese Berichte leicht mit den Farben Schwarz/Weiß oder besser Braun/Rot auskommen wird. Alle Beteiligten werden sich in ihrer Haltung bestätigt sehen können – und nichts dazulernen.

Da man aber trotz dieses enttäuschenden Pressegespräches die Hoffnung auf ein Einlenken beider Seiten noch nicht aufgeben sollte, wäre es wohl das beste, sowohl den Kommers als auch die Gegendemonstration abzusagen. Statt dessen könnte am selben Tag an der Universität Innsbruck ein Streitgespräch zwischen den jeweiligen Exponenten stattfinden.

Über diese Lösung würden sich nicht nur die Innsbrucker Polizisten freuen, bei einem derartigen Gespräch könnte es auch um die Einheit Tirols gehen. Vielleicht sind Gespräche über die Einheit Tirols zielführender als der Versuch, sie durch flammende Reden herbeiführen zu wollen. Und um Tirol soll es schließlich am 22. Oktober gehen.

Da wir nicht mehr in den 20er oder 30er Jahren leben, gibt es keinen zwingenden Grund, mit einem Anliegen zuerst auf die Straße zu gehen. Ich glaube nicht, daß sich beide Seiten einer Einladung, die Auseinandersetzung von ebendieser Straße in den Hörsaal zu verlegen, entziehen könnten, wenn dieser Wunsch von Tiroler Persönlichkeiten wie etwa Hans Benedict, Paul Flora oder Felix Mitterer unterstützt werden würde.

Projekt Details

  • Datum 25. August 2016
  • Tags Pressearchiv 1994

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