67 Jahre befreites Auschwitz, wieninternational.at

14.03.2012

Projekt Beschreibung

Text:
wieninternational.at, 14.03.2012

Holocaust

67 Jahre befreites Auschwitz

Am 27. Jänner 2012 wurde der 67. Jahrestag der Befreiung des ehemaligen KZ-Lagers Auschwitz-Birkenau durch die Rote Armee begangen. An den Feierlichkeiten nahmen 30 ehemalige Inhaftierte teil. Außerdem waren zahlreiche PolitikerInnen und DiplomatInnen, u.a. die polnische Vizeministerin für Kultur und Nationales Erbe, Małgorzata Omilanowska, der österreichische Botschafter in Polen, Dr. Herbert Krauss, und der österreichische Generalkonsul aus Krakau, Christophe Ceska, anwesend.
Gedenktag zum 67. Jubiläum
Die Feierlichkeiten begannen mit einer Messe in der Sankt Maximilian Kolbe-Kirche in Oświęcim (Auschwitz). Dann wurden sie im „Oświęcimskie Centrum Kultury“ (Kulturzentrum in Auschwitz) fortgesetzt. Zahlreiche RednerInnen waren zu hören, u.a. die bereits erwähnte polnische Vizeministerin für Nationalerbe, Małgorzata Omilanowska, der russische Botschafter in Polen, Alexander N. Alexejev, und die Zeitzeugin Pnina Segal, die als kleines Mädchen zusammen mit ihrer Familie nach Auschwitz deportiert wurde. Ihr Bericht war erschütternd – als sie vom Wiedersehen mit ihrer Mutter nach der Befreiung des Lagers erzählte, hatten viele der Anwesenden Tränen in den Augen.
2: Tür auf Bühne
3: Feierlichkeiten
Eine Tür als Denkmal
Auf der Rednerbühne stand die authentische und einzige erhalten gebliebene Tür zu einer Gaskammer in Birkenau, die zum ersten Mal der Öffentlichkeit präsentiert wurde. „Der Holocaust, der vor 70 Jahren angefangen hat, wird in unserer Kultur immer anspielungsreich und rhetorisch bildhaft beschrieben. Der Holocaust bedeutet aber in erster Linie ein ganz reales Leiden und den Tod von Millionen unschuldiger Menschen, die nur deswegen hingerichtet wurden, weil sie Juden und Jüdinnen waren. Eben aus diesem Grund wollen wir ein handgreifliches Relikt des Holocaust zeigen: die einzige erhalten gebliebene Tür einer Gaskammer aus Birkenau. Wir gedenken aller Ereignisse, die sich hinter dieser Tür abgespielt haben“ betont Piotr M.A. Cywinski, Direktor des Staatlichen Museums Auschwitz-Birkenau. Während der Feier wurde auch der Tod des ehemaligen Häftlings und später langjährigen Museumsdirektors Auschwitz-Birkenau, Kazimierz Smoleń, verkündet. Er war noch am selben Tag verstorben und wurde mit einer Schweigeminute geehrt. Nach den Feierlichkeiten wurden die Gäste mit Bussen zum Eingangstor des KZ gebracht. Vom Tor aus ging es zu Fuß zum Opferdenkmal neben den zerstörten Krematorien. Es wurde ein gemeinsames ökumenisches Gebet abgehalten und Blumen vor dem Denkmal niedergelegt.
Austrian Holocaust Memorial Award
Am Vormittag des 27. Jänner fand parallel im Jüdischen Zentrum in Oświęcim eine andere Feier statt. Der Austrian Holocaust Memorial Award wurde vom österreichischen Botschafter Dr. Herbert Krauss an Direktor Tomasz Kuncewicz vom Auschwitz Jewish Center übergeben. Der Preis wird seit 2006 vom „Verein Österreichischer Auslandsdienst“ an eine Persönlichkeit oder Organisation verliehen, die sich besonders für das Gedenken an die Verbrechen des Nationalsozialismus einsetzt. Unter den bisherigen Preisträgern befinden sich u.a. Pan Guang aus dem Zentrum für Jüdische Studien Shanghai oder Jay M. Ipson vom Virginia Holocaust Museum in Richmond in den USA. Das Jüdische Zentrum wurde im Jahr 2000 eröffnet und beschäftigt sich vor allem mit der jüdischen Geschichte der Stadt Oświęcim. Seit einigen Jahren werden auch vermehrt Workshops mit Kindern und Jugendlichen durchgeführt.
4: Verleihung des AHMA
Neugestaltung der Österreichischen Gedenkstätte
Die österreichische Bundesregierung beschloss 2009, die 1978 im Museum Auschwitz-Birkenau eröffnete österreichische Länderausstellung zu erneuern. Mit dieser Aufgabe wurde der Nationalfonds der Republik Österreich für Opfer des Nationalsozialismus betraut. Die Erneuerung wird von den Bundesministerien, Zukunftsfonds, Nationalfonds sowie den Bundesländern finanziert. Die bisherige Länderausstellung hat Österreich nur als „erstes Opfer“ des nationalsozialistischen Deutschlands dargestellt. Dies entspricht nicht mehr dem aktuellen historischen Selbstverständnis. Heute bekennt man sich zu einer moralischen Verantwortung und zur Beteiligung zahlreicher ÖsterreicherInnen an vielen nationalsozialistischen Verbrechen. Die EntwicklerInnen des neuen Konzeptes sind Univ.-Doz.in HR Dr.in Brigitte Bailer, Dr.in Heidemarie Uhl und Univ.-Doz. Dr. Bertrand Perz. Die „Opferthese“ der bisherigen Länderausstellung wird analysiert, es werden Themen- und Umsetzungsmöglichkeiten vorgeschlagen. Darüber hinaus wurden zwei Gremien – der Wissenschaftliche Beirat im November 2009 und der Gesellschaftliche Beirat im Jänner 2010 – ins Leben gerufen. Bei ersterem handelt es sich um ein elfköpfiges Gremium von ExpertInnen aus den erforderlichen Fachgebieten. Der zweite Beirat besteht aus VertreterInnen von Opferverbänden, Religionsgemeinschaften und RepräsentantInnen der Parlamentsfraktionen. Damit sind die ersten konkreten Schritte für die Neugestaltung der Länderausstellung in der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau gesetzt. Aufgabe des Nationalfonds ist es, die Arbeiten an dem neuen Konzept in Bezug auf alle Beteiligten zu koordinieren.
5: Auschwitz Gebäude
6:KZ Birkenau

Projekt Details

  • Datum 13. Juli 2016
  • Tags Pressearchiv 2012

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