Verdammt, wir sind erkannt!, Aula (Graz), 1994

1994

Project Description

Verdammt, wir sind erkannt!

zum neuen ANTIFA-Buch von Wolfgang Purtscheller

Von Jürgen Hatzenbichler

Man mußte länger warten auf das neue Opus von Wolfgang Purtscheller. In Verlagsprospekten und Zeitschriften war das Erscheinen des Buches für “Frühjahr 1994” angekündigt worden. Und der Titel war auch ein anderer: “Braunzonen” sollte es ursprünglich eindeutiger heißen. Das Werk über die “Neue Rechte in Österreich” kam jetzt im vorwahlzeitlichen Herbst mit dem Titel “Die Ordnung, die sie meinen” auf den Markt. Purtscheller (oder sein Verlag) nahm wohl Erfolgsautor Jörg Haider zu seinem Vorbild, tauschte flugs die Freiheit, die der eine meint, gegen die Ordnung, die angeblich die anderen meinen, und hofft wohl auf ähnliche Verkaufszahlen wie beim Haider-Buch. Dieser buchhändlerische Totemismus dürfte sich so nicht erfüllen.

Schon 1993 war von Purtscheller ein anderes Buch erschienen, “Aufbruch der Völkischen – Das braune Netzwerk”, das den Anspruch erhob, über den “subjektiven Faktor des Rechtsrucks” zu berichten. Dementsprechend auch der Klappentext, der den Inhalt recht treffend umreißt: “Österreich rechtsaußen: angejahrte Werwölfe und jugendliche Wehrsportgruppler, distinguierte Südtirol-‘Bumser’ und desperate Bombenleger, greise SSler und pubertierende SA-Fans, verfolgte Auschwitzlügner und dekorierte Kriegsschuldleugner, knorrige Präsidentschaftskandidaten und markige Abgeordnete, knüttelnde Barden und knüppelnde Garden, schrille Hetzpostillen und seriös aufgemascherlte Theorie-blätter, diskrete Kulturvereine und publicitygeile Kadergruppen, urige National-Sozialisten und flotte National-Freiheitliche, untätige Behörden und tätige Wiederbetätiger.” Das Buch ist durchaus “subjektiv”, da hat Purtscheller recht. Die Geschichte der österreichischen rechten und rechtsextremen Szene ist journalistisch flott geschrieben. Damit hat Purtscheller gegenüber dem Wälzer vom “Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes” schon einmal einen gigantischen Vorteil, denn dessen “Handbuch des österreichischen Rechtsextremismus” ist ja nicht nur sprachlich ein ermüdendes Opus, sondern auch in punkto Genauigkeit. (Purtscheller bestätigt das: “Sogar im ‘Handbuch des Rechtsextremismus’ des Dokumentationsarchives des österreichischen Widerstandes …… fehlen viele Elemente, die sich aus dem Übergang der Rechten vom Traditionsverein zur gesellschaftspolitisch relevanten Einheitsfront ergeben.”)

Außerdem ist es ein undifferenzierter Aufzählungs-Friedhof. Purtscheller, merkt man an seinem Buch, geht da etwas genauer ans Werk, recherchiert, formiert und versucht Tendenzen herauszuschälen. Dabei ist er etwas glücklos, denn sofort, wenn er seine Faktenbasis verläßt, um Zusammenhänge zu konstruieren, hängt er merklich in der Luft. Einerseits liegt das daran, daß ein linker Schädel sich nun mal schwer damit tut, nachzuvollziehen, was ein rechtes Hirn so denkt, andererseits neigt Purtscheller zur Überinterpretation, eine linke ANTIFA-Krankheit, die zu lächerlichen Verschwörungstheoremen führen kann. Trotzdem ist “Aufbruch der Völkischen” ganz lustig zu lesen, zumindest so man einen Sinn für schwarzen Humor hat: Purtscheller nämlich kann man attestieren, daß er ein recht begabter Lästerer mit fein ausgebildetem “Schandmaul” ist. Wir haben viel gelacht …

Beim jetzigen Buch hat sich das Darzustellende leicht verändert. Es geht nicht mehr um die gesamte “Szene”, sondern um die “Neue Rechte” und ihre Verknüpfungen mit der FPÖ. In welche Richtung das geht, ist klar: “Insbesondere bei Mölzers … und seines publizistischen Kronprinzen Jürgen Hatzenbichlers … Anstrengungen, den Prototyp des streitbaren Rechtsintellektuellen zu bilden, der über die Trattnigs hier und die Meischbergers dort hinausweist, erlangen neurechte Versatzstücke (sowohl inhaltlicher als auch strategischer Natur) immense Bedeutung.” Auch wenn, wie die Verfasser richtig anmerken, die “Intellektualisierung der FPÖ nicht überschätzt” werden dürfe. AULA und Identität sind es, die den Abschreibern und Auswertern als nicht liebenswert aber zitiernotwendig erscheinen. Jenseits dessen: es wird zu sehr geklotzt in dem neuen Buch, das macht die Einschätzungen, die dort vertreten werden, so, daß sie nur mit Vorsicht genießbar sind. Der Überbegriff “Neue Rechte”, der mehrere Strömungen umfaßt, und sehr allgemein zu sehen ist, macht den Genossen Sorgen: Nix Springerstiefel, keine Operettennazis, das ist schlecht. Also versucht man sich in Darstellungen eines Gegners, der eher intellektuell zu sein scheint. Aber, es kann nicht sein, was nicht sein darf: Sehr schnell und eben über Verzerrungen zeigt man, daß es sich eh nur um Faschos handelt, halt um welche, die sich moderater ausdrücken. Hier fällt die Clique um Purtscheller auf ihre eigenen Vorgaben hinein, und das, obwohl sie diese Gefahr der vorurteilsvollen Betrachtung im vorhinein erkannt hatte. Und auch viele Fakten sind wieder einmal falsch. Ein Beispiel: der CVer Klaus Zellhofer erliegt in seinem Verdacht, daß alles Böse von den Burschenschaften komme, der Falschmeldung, daß der Nationalrevolutionär Henning Eichberg (“…zentrale Beiträge zur Reformulierung des Faschismus.”) Burschenschafter sei. Auf andere und wesentlich wichtigere Fehler wollen wir gar nicht eingehen, denn einerseits wäre uns das zu mühsam, und andererseits ist es nicht unsere Aufgabe, den Purtschellers & Co. Informationen zu stecken, damit sie uns besser einschätzen können. Da doch lieber viele Fehler und Irrtümer ….

Und letzten Endes ist halt doch wieder alles Faschismus (oder “Rechtsextremismus”, wenn man “holzern” will), womit auch dieses nette Buch den Bach hinuntergeht. Es hat gerade noch dazu beigetragen, eine kleine Volksfront, deren Mitglieder zwischen militant linksextremen Autonomen und eben CVern liegen, zu bilden. Angesichts dessen wird sogar ein Beitrag von jemand wie ORF-Redakteur Alfred Payrleitner in den “Freien Argumenten” zum Faschismus-Nachweis. Autonomen Authenzitätsansprüchen in punkto Linksextremismus scheint es auch entsprungen zu sein, daß ein völlig deplazierter Beitrag über eine “Initiative Neue Linke” in dem vermeintlichen Buch über die “Neue Rechte” enthalten ist. Man wirft den Genossen, eh’ klar und kurios genug, Rechtsradikalismus vor. Und der linke CVer Zellhofer sieht sich von “völkischen Katholiken” umgeben, die ihn zwischen “SS und Rosenkranz” plagen. Nebenbei kriegen Grüne, die nicht aus der “Gruppe Revolutionärer Marxisten” stammen, eine aufs Dach. Die linke Vernaderungspolitik trifft, wie üblich, auch den “sogenannten ‘Linken'” Günther Nenning und, das ist neu, den Organisator der “Aktion Gedenkdienst”, Andreas Maislinger. Man merkt: Hier legt man auf Eindeutigkeit und ideologische Reinheit großen Wert. Für den fotoscheuen Herausgeber Wolfgang Purtscheller (Jahrgang 1955) ist das nachvollziehbar.

Purtscheller, der gerade herauskehrt, daß er für “Standard” und “profil” schreibt, scheint dabei wenig Berührungsängste nach ganz links außen zu haben. Darauf deuten nicht nur seine jeweiligen Vorwörter mit ihren speziellen Grüßen und Wünschen hin. Um wirken zu können, verkauft sich der Anhänger des ideologischen Reinheitsgebotes zwar, was aber wenig an seiner Einstellung an sich ändert. In einer Diskussion erklärte Purtscheller: “Im ‘Standard’ stehen jeden Tag Artikel, von denen ich genau weiß, die sind rassistisch oder sexistisch. Ich weiß auch, daß sie mich sehr gerne als Feigenblatt benützen. Jetzt kann ich natürlich sagen, ich arbeite nicht mehr für ‘rosarot’, sondern nur mehr für ‘ideologisch-rein’ – nur wo soll ich das machen? Dann muß ich mich um eine andere Einnahmequelle umschauen.” Daß er dabei mit Leuten vom autonomen “TATblatt” zusammensitzt, stört Purtscheller nicht. Kein Wunder, klingen manche ANTIFA-Artikel im links-extremen “TATblatt” in Stil und Diktion so genau nach Purtscheller, daß er entweder dort direkt mitarbeitet, oder das Extremistenblättchen einen phantasielosen (sog. “Antipha”) Purtscheller-Abschreiber beschäftigt.

PS.: Übrigens, Wolfgang, ganz nebenbei: PASEREMOS!

Project Details

  • Date 25. August 2016
  • Tags Pressearchiv 1994

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