“Nur dagegen sein, ist zuwenig”, Dolomiten

28.04.1995

Project Description

Dolomiten (Bozen) 28. April 1995

“Nur dagegen sein, ist zuwenig”

Oberschüler befassen sich mit der Befreiung vom Nazifaschismus/Rreferate Nazismus, Faschismus, Judenvernichtung, Widerstand und Befreiung vom Nazifaschismus: Zu diesen Themen sprachen gestern vormittag namhafte Referenten im Auditorium im Schulzentrum vor über 200 Meraner Oberschülern beider Sprachgruppen. Zum Abschluß wurden die besten Arbeiten von Schülern prämiiert, die sich an einem Wettbewerb zum Thema beteiligt hatten. “Niemals vergessen” hieß das Motto der Veranstaltungsreihe , die vom Komitee zum 50. Jahrestag der Befreiung vom Nazifaschismus, von der Jüdischen Kultusgemeinde sowie von Heeres- und zahlreichen Veteranenverbänden organisiert wurde. Zum Auftakt wurde am Morgen in der Synagoge in der Schillerstraße für die in der Konzentrationslagern ermordeten Juden gebetet. Der Oberrabbiner von Mailand, Giuseppe Laras, nannte beim Ritus alle ermordeten Meraner Juden beim Namen. Federico Steinhaus, der Präsident der Jüdischen Kultusgemeinde, rief dazu auf, den Holocaust niemals zu vergessen und die Erinnerung an ihn vor allem an die Jugend weiterzugeben. Dies solle verstärkt auch im Rahmen des Geschichtsunterrichtes erfolgen. Am Gebet bzw. an der darauffolgenden Veranstaltung im Schulzentrum nahmen unter anderem auch der SVP-Obmann Hubert Frasnelli, die Landtagsabgeordnete Alessandra Zendron (GAL), Merans Bürgermeisterin Claudia Christé, ihr Vize Armin Ganner sowie weitere Gemeinde- und Behördenvertreter teil. Im Schulzentrum wurde mit einem historische Dokumentarfilm über die Schlacht am Fluß Senio (1944/45) begonnen. Es folgten Referate von Laras, Andreas Maislinger von der Universität Innsbruck und dem Historiker Leopold Steurer. “Um in Zukunft recht handeln zu können, ist es notwendig, daß man über die Vergangenheit genau Bescheid weiß”, sagte Laras. Er forderte die Jugend auf, sich gründlich mit diesem dunkelsten Abschnitt unseres Jahrhunderts zu befassen. Laut Maislinger genügt es nicht, sich nur mit Worten als Antifaschist auszugeben: “Nur dagegen sein, ist zuwenig”. Eine Möglichkeit, ein Zeichen zu setzen, sei der sogenannte Gedenkdienst in Österreich. Dabei können Zivildiener in einer Holocaust-Gedenkstätte im Ausland mitarbeiten. Auch den Südtiroler Zivildienern sollte ein solcher Einsatz ermöglicht werden, forderte Maislinger. Für die meisten Oberschüler war die gestrige Veranstaltung ein beeindruckender Vormittag. Diese Geschichte aus erster Hand zu erfahren, wird nicht mehr lange möglich sein. Kritisiert wurde am Rande, daß fast nur italienisch gesprochen wurde.

Project Details

  • Date 23. August 2016
  • Tags Pressearchiv 1995

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