der neue Mahnruf, Roman Kopetzky

01.01.2000

Project Description

der neue Mahnruf Jänner 2000

Zivildienst im Ausland

Für junge Österreicher war die freie Wahl zwischen Wehr- und Zivildienst nicht immer so selbstverständlich wie heute. Vor einigen Jahren noch mußten Wehrpflichtige sich vor einer Zivildienstkommission verantworten, um dem Militärdienst zu entgehen. Diese galt es zu überzeugen, daß einem moralische oder andere Gründe einen Waffenumgang im allgemeinen Wehrdienst verbieten würden. Daß nur die wenigsten dazu kamen, einen Zivildienst im sozialen Bereich abzuleisten, ist nicht schwer nachvollziehbar. Heute jedoch stehen für solche, die anstatt des Wehrdienstes lieber zivile Aufgaben übernehmen, die Dinge bedeutend günstiger. Jedem Wehrpflichtigen ist die freie Wahl zwischen einem Wehrdienst von acht Monaten und einem Zivildienst von zwölf Monaten gestattet. Was aber die wenigsten wissen, ist daß es seit einigen Jahren auch möglich ist, diesen Zivildienst als Ersatzdienst im Ausland abzuleisten. Diese Möglichkeit ist vor allem auf einen Initiative des Innsbrucker Politologen Dr. Andreas Maislinger zurückzuführen. 1977 arbeitete er als Freiwilliger für die westdeutsche “Aktion Sühnezeichen – Friedensdienste” mehrere Monate für das Museum des ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau. So wurde damals die Idee geboren, einen ähnlichen Dienst auch in Österreich als Ersatz für den ordentlichen Zivildienst einzuführen. Der Gedenkdienst sollte österreichischen Zivildienern die Möglichkeit geben, sich ihrerseits an der Vergangenheitsaufarbeitung zu beteiligen, um so, in den Worten des ehemaligen Bundeskanzlers Franz Vranitzky (Jerusalem, 1993), für “Nie wieder” zu kämpfen. Der Verein für Dienste im Ausland ist eine vom Innenministerium offiziell anerkannte Trägerorganisation, der es erlaubt ist, junge Österreicher für ihren Ersatzdienst ins Ausland zu entsenden. Der Verein besitzt mittlerweile Kontakte zu den verschiedensten Gedenkdienststellen, die in Nordamerika und Europa verstreut sind. Die vierzehnmonatige Arbeit der Gedenkdiener ist sehr breit angelegt, und wird von den jeweiligen Arbeitsgebern bestimmt. Der Verein hat seine Tätigkeit mittlerweile auch auf den Sozial- und Friedensdienst im Ausland ausgeweitet. Beim Sozialdienst geht es um humanitäre und wirtschaftliche Hilfe in entsprechenden Staaten. Wiederum sind hier die Aufgaben sehr verteilt. Derzeige Auslandsposten sind zum Beispiel Buenos Aires, wo die Betreuung von Straßenkindern gefragt ist, oder die jüdische Gemeinde in Prag, wo es gilt, bei der Pflege und Betreuung von Holocaust-Überlebenden mitzuhelfen. Der Friedensdienst ist noch in den Anfangsphasen, betätigt sich aber mit friedenssichernden Arbeiten im Kriegs- oder Krisengebieten. In allen drei Dienstrichtungen ist der Verein auf die freiwillige Arbeit seiner Mitglieder angewiesen.  

Verein “Gedenkdienst”

Eine menschenverachtende Ideologie, die in letzter Konsequenz auf die Vernichtung bestimmter Bevölkerungsgruppen abzielt, soll nie wieder Wirklichkeit werden könne. Mit unserer Arbeit wollen wir bei der Schaffung eines breiteren und tieferen Bewußtseins über den Holocaust mithelfen und die Erinnerung an das Geschehene besonders bei Jugendlichen wach halten. Als Hilfsmittel dafür dienen uns in Österreich folgende Programmschwerpunkte: – Studienfahrten zu Gedenkstätten – Seminare zu Schwerpunktthemen – Projektunterricht zum Thema Holocaust an österreichischen Schulen – Organisation von Vorträgen und Filmvorträgen – Zeitzeugengespräche Mitarbeiter können diese Arbeit an 20 Holocaustgedenk- und Forschungsstätten fortsetzen. Zivildienstpflichtige werden nach einem 14monatigen Gedenkdiensteinsatz im Ausland nicht mehr zum ordentlichen Zivildienst herangezogen. Der Gedenkdienst setzt im Ausland ein politisches Zeichen, indem er auf die Mitverantwortung Österreichs am Holocaust hinweist.

Auswahlseminar

Die Tätigkeitsbereiche umfassen z.B. die Vorbereitung von Tagungen, die Mitarbeit an wissenschaftlichen Publikationen, Archivarbeiten oder Kontakte zu Überlebenden.

Project Details

  • Date 2. July 2016
  • Tags Pressearchiv 2000

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