Die ersten Monate an der Fondation pour la Mémoire de la Déportation – Andreas Ritzer in Paris

Andreas Ritzer ist seit Anfang September unser Gedenkdiener an der Fondation pour la Mémoire de la Déportation (FMD) in Paris. Die Stiftung fungiert als Trägerorganisation für eine Reihe von Vereinen und Gesellschaften, die sich mit Deportation und Internierung durch die Nationalsozialisten und Vichy-Regime zwischen 1940 und 1945 in Frankreich auseinandersetzen.

Gleich in den ersten Tagen wurde ihm eine besonders ehrenvolle Aufgabe zuteil: Im Rahmen des 25-Jährigen Jubiläums des Österreichischen Auslandsdienstes durfte er der einst selbst deportierten französischen Widerstandskämpferin und Vorsitzenden der Fondation Marie-Josée Chombart de Lauwe Marko Feingolds Buch „Wer einmal gestorben ist, dem tut nichts mehr weh“ überreichen.

Seine Hauptaufgabe ist die Betreuung der Website und eines Blogs, in dem er über Veranstaltungen informiert, die sich mit den Deportationen Frankreichs beschäftigen. Zudem kümmert er sich um den Vertrieb einiger Bücher, die man über die FMD erwerben kann. Besonders spannend ist auch die Digitalisierung von Zeitzeugeninterviews aus den 1990er Jahren und das Schneiden kleiner Impulsvideos für den Concours national de la déportation et la résistance. Dieses Vorzeigeprojekt der FMD ist ein nationaler Schulwettbewerb über die Themen Deportation und Widerstand mit bis zu 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmern.

Ein weiteres Highlight fand am 20. September statt: Gemeinsam mit seinem Kollegen aus Paris, Johannes Pokieser, besuchte Andreas die Österreichische Botschaft und das dazugehörige Österreichische Kulturforum in Paris. Der Direktor des Kulturforums Dr. Mario Vielgrader war einst selbst Gedenkdiener und zeigte sich an ihrem Besuch sehr interessiert. Am Ende schenkte er ihnen ein Buch über Zwangsarbeit in Österreich. Mit dem Botschafter Mag. Walter Grahammer führten Andreas und Johannes einige Tage später ein Gespräch, bei dem sie ihre Tätigkeiten und den Verein vorstellten.

Auch innerhalb Frankreichs ist Andreas viel unterwegs. Anfang Oktober konnte er seinen Kollegen Manuel Soriat, der seinen Gedenkdienst am Europarat leistet, besuchen.

Andreas wirkt auch an zwei Forschungsprojekten mit. Derzeit arbeitet er an Originaltexten der Disziplinar- und Strafordnung des Lagers Dachau vom Oktober 1933. Diese Strafordnung galt als gesetzliche Vorlage für die weiteren Lager und verschaffte den Wärtern große Freiheiten bei der Massakrierung der Häftlinge. Zudem sucht er unter Roma und Sinti nach Widerstandskämpferinnen und Widerstandskämpfern.

Er leistet außerdem kleinere Übersetzungen und beantwortet deutsche oder englische Anfragen. Zudem hat er ein Praktikumsausschreiben für das interdisziplinäre Gedenkprojekt „Matrice“ erstellt und kann daran eventuell in Zukunft sogar selbst einen Tag pro Woche teilnehmen.

Selbstverständlich lässt sich Andreas auch das vielfältige kulturelle Angebot der Stadt nicht entgehen. Im Zuge der Journées du patrimoine, einem europaweit verbreiteten Tag der offenen Tür, besichtigte er Gebäude, die normalerweise öffentlich nicht zugänglich sind. Nach anfänglichen Mühen hat Andreas in der Rue de la Jonquiére eine nette, kleine Wohnung gefunden.

 

von Marc Fehringer