1. Bericht
von
Wolfgang Zechner
|
|
Einsatzstelle: Finca Sonador
Land der Einsatzstelle: Costa Rica
Dienstantritt: 1. September 2003
Berichtszeitraum: 1. September 2003 bis 30.
Dezember 2003
Tätigkeitsbericht September 2003 –
Dezember 2003
Die wöchentliche Arbeitszeit belief sich auf
40 Stunden.
Mit 1. September 2003 habe ich meinen Ersatzdienst
für den Zivildienst in Costa Rica, genau auf Finca Sonador angetreten.
Da ich schon Mitte August angereist bin konnte ich mit 1. September ohne
Probleme (Zeitumstellung) mit meiner Arbeit beginnen. Dank der Anwesenheit
der anderen Ersatzdienstleistenden, fiel es mir nicht sonderlich schwer
mich hier schnell einzuleben. Die ersten Tage half ich etwas beim Kaffeepflücken
und versuchte mir so viele neue Namen wie möglich zu merken. Auch
das Spanisch hier stellte zu Beginn eine kleine Barriere dar, da es sich
um einen völlig anderen „Dialekt“ handelt als jenes Spanisch
das mir in einigen Kursen an der Universität vermittelt wurde. Es
werden einige Formen von Verben einfach gar nicht verwendet oder viele
Wörter sind auch nur in Lateinamerika in Verwendung.
1) Erstellung eines Prospektes für das lokale
Tourismuskomitee
Für das Tourismuskomitee von Finca Sonador habe
ich einen Folder (siehe Bild links) zusammengestellt, der an anderen Orten,
die von Touristen besucht werden, aufgelegt werden sollen. Dieser Folder
beinhaltet eine kurze Vorstellung des Projektes „Finca Sonador“,
weist auf die Mitarbeitsmöglichkeiten hin und was in diesem Fall
das wichtigste ist lädt Touristen (das Prospekt richtet sich an Menschen
die Kulturaustausch suchen) dazu ein hier etwas Zeit zu verbringen um
Land und Leute kennen zu lernen. Als Ergänzung zum Prospekt habe
ich eine „Aktivitätenliste“ für Touristen erstellt,
die einen Überblick über die hier vorzufindenden Möglichkeiten
bietet und die Kommunikation zwischen Touristen und Einheimischen verbessern
soll.
2) Mitarbeit am Medizinal- und Nutzpflanzenfeld
Bei diesem schon bestehenden Projekt (von Klaus Teichmann
begonnen) mussten laufend Instandhaltungsarbeiten durchgeführt werden.
Etwa zäunten wir das Gelände rund um das Feld neu ein, da der
alte Zaun schon völlig von Gras überwuchert war. Weiters musste
jede Woche ein Tag dafür verwendet werden um das Unkraut, das hier
sehr raschwüchsig und hartnäckig ist, zu entfernen. Um den Unkrautbefall
nachhaltig zu verhindern, haben wir rund um die existierenden Beete des
Feldes Zitronengras gepflanzt, das eine natürliche Barriere für
das Unkraut (hauptsächlich Gras) darstellen soll. Außerdem
wurden neue Pflanzen angesetzt um die Vielfalt auf dem Feld zu erhöhen
(Papas Chiricana – eine Kartoffelart oder Frijoles de Palo –
eine Bohnenart).
3) Englischunterricht
2-3 mal pro Woche kommt mich „Bernal“,
ein 42 jähriger Costa Ricaner besuchen, um Englisch zu lernen. Der
Unterricht mit ihm gestaltet sich ziemlich interessant, da er ziemlich
genaue Vorstellungen darüber hat was er lernen will. Grundsätzlich
geht es ihm nur darum Englisch sprechen zu können, die Schrift ist
ihm nicht wichtig. Deshalb notiert er sich auch alles Neue in seiner eigenen
Lautsprache, was schon des öfteren zu witzigen Missverständnissen
geführt hat.
Ausserdem besuchen wir seit Anfang November jeden
Donnerstag Vormittag das staatliche Gefängnis in Palmares (etwa ½
Stunde mit dem Bus Richtung San Isidro) um einigen Häftlingen dort
Unterreicht zu geben. Diese sind äußerst engagiert und wollen,
hat man mit dem Unterricht begonnen gar nicht mehr aufhören. Leider
dürfen wir nur einmal pro Woche hinein, da nicht mehr Besuchstage
vorgesehen sind.
4) Errichtung eines ZIVI-Hauses
Es handelt sich hierbei um eine neue Initiative die
ich nun seit Ende November verfolge. Wir (ich und einige Dorfbewohner)
wollen hier auf der Finca ein Haus für Ersatzdienstleistende errichten,
das im Eigentum der Dorfgemeinschaft ist. Die Miete wird an die Dorfgemeinschaft
bezahlt um die kommunale Infrastruktur zu verbessern. Ausserdem soll mit
etwa 1/3 der Einkünfte ein Sozialfonds eingerichtet werden, der Geld
zinsfrei verleiht. Dies ist die Grundidee in aller Kürze. Derzeit
sind wir damit beschäftigt die Planungen für das Haus durchzuführen
und ein Stück Land dafür zu organisieren. Ausserdem muss ich
für dieses wie auch für alle anderen Projekte versuchen Spendengelder
oder Sponsoren aufzutreiben.
5) Jugendzentrum mit Tanzsalon
Auch diese Idee ist relativ jung, die ich gemeinsam
mit einigen Jugendlichen aus dem Dorf hier versuche zu realisieren. Derzeit
sind wir dabei Förderungen oder Spenden aufzutreiben, um bald mit
der Verwirklichung dieses Projekts beginnen zu können. Das Jugendzentrum
wird etwas ausserhalb des Dorfkerns beheimatet sein, um mehr Unabhängigkeit
von den Strukturen des dörflichen Lebens zu erhalten. Im Jugendzentrum
inbegriffen soll ein Tanzsalon sein, in dem Juan Peres Tanzkurse geben
wird. Er und seine Brüder geben schon seit längerer Zeit Tanzkurse,
allerdings in ihrem eigenen Haus, in dem es eher an Platz mangelt. Auf
diese Weise ist auch gleich eine verantwortungsvolle Person gefunden die
sich um das Jugendzentrum kümmert und es pfegt.
6) Demographische Erhebung auf LONGO MAI
Die Cooperative LONGO MAI wird Beginn des nächsten
Jahres etwa 100 ha zusätzliches Land erhalten, damit Familien, die
bisher wenig bzw. kein Land hatten oder junge Familien, die hier bleiben
wollen aber kein Land besitzen von etwas leben können. Um diese Bedürfnisse
zu erheben erstelle ich einen Fragebogen erstens zur Demographie hier.
Ich halte mich dabei an die Richtlinien des ZUMA-Mannheim um eine Vergleichbarkeit
mit anderen Daten zu erreichen. Vordergründig geht es um die Landverteilung,
allerdings werden wir auch viele andere interessante Themen behandeln.
Einige Jugendliche aus dem Dorf haben sich bereit
erklärt mir bei der Durchführung der Interviews behilflich zu
sein. Dafür werde ich eine Interviewereinschulung anbieten. Den Jugendlichen
(es sind fast nur Mädchen) werde ich versuchen pro Fragebogen ein
kleines Entgelt zu bezahlen. Auch für dieses Projekt werden wir versuchen
Spenden zu sammeln, wenn es sich hier auch nicht um grosse Geldmengen
handelt. Hierfür, und auch für Folgestudien die ich gerne machen
würde, würde auf jeden fall ein Budget von € 250 ausreichend
sein. Auch mit diesem geringen Finanzaufwand wären wir in der Lage
unseren Helfern hier mehr zu bezahlen, als sie durch Kaffee pflücken
verdienen können.
7) Hilfe bei der Vermarktung von Artesania
Seit Anfang November bin ich dabei, mit Rodolfo Mena
einige Vermarktungsstrategien für Artesania die er herstellt (Holzfiguren
aller Arten und Größen) auszuarbeiten und durchzuführen.
Einerseits versuchen wir hier im Dorf die Touristen besser über seine
Arbeit zu informieren. Hierfür haben wir in der Pulperia (Greisslerladen)
einige Arbeiten ausgestellt. Ausserdem erstelle ich eine Homepage, die
leider noch nicht ganz fertig ist, da meine Digitalkamera derzeit nicht
funktioniert, und die Fotos seiner Arbeiten stellen den Kernpunkt der
Website dar. Die Website ist dafür gedacht, dass Freunde in Österreich,
mit ihrer Hilfe die Arbeit von Rodolfo etwas präsentieren können.
Derzeit bin ich bei allen Projekten sehr optimistisch,
dass sie gelingen werden (teilweise sind sie schon gelungen) und wir vor
allem ausreichend Geldmittel zur Finanzierung aquirieren können.
Die Arbeit hier findet in sehr angenehmen Klima statt, die Menschen hier
sind ausgesprochen freundlich und immer daran interessiert sich neue Ideen
anzuhören oder weiterzuentwickeln.
Diese Projekte sind alles Arbeiten die sich über
einige Monate erstrecken werden.
|