An die

Österreichische Botschaft

6a Avenida 20-25 Zona 10, Edif. Plaza Marítima

Guatemala City

 

 

2. Tätigkeitsbericht von Manuel Melzer

österreichischer Sozialdiener an der 

Casa Hogar estudiantil ASOL

10a Calle 2-25 Santa Rosita, Zona 16, Guatemala City

 

Berichtszeitraum: 1. Februar 2002 – 31. Mai 2002

 

Dienstantritt: 1. Oktober 2001

Dienstende: 30. November 2002

Trägerorganisation: Verein für Dienste im Ausland nach § 12b Zivildienstgesetz

 

 

 

Zu Beginn meines zweiten Tätigkeitsberichtes nach 8 Monaten hier in der Casa Hogar estudiantil ASOL möchte ich darauf hinweisen, dass die Grundlagen meines Arbeitsfeldes bereits ausführlich in meinem ersten Tätigkeitsbericht erörtert wurden und sich natürlich nicht verändert haben. Daher möchte ich dieses Mal auf die neuen oder noch nicht erwähnten Aufgaben eingehen:

 

  1. Zusammenarbeit mit der neuen Junta Directiva
  2. Betreuung der Kinder
  3. Reparaturarbeiten
  4. Sonstiges

 

 

1.       Zusammenarbeit mit der neuen Junta Directiva

 

Am 27. Februar 2002 ist der neue Vorstand (Junta Directiva) von ASOL gewählt worden. Er nahm die Arbeit mit Anfang März auf und die ersten Sitzungen brachten einige Änderungen für die Arbeit in der Casa Hogar mit sich. Der für meine Arbeit wahrscheinlich wichtigste Punkt ist die Kürzung der Zivildiener und Freiwilligen von 4 auf 3 Personen. Dadurch wurde meine Arbeit hier in der Casa Hogar extrem intensiviert.

Ein erstes Anliegen der Junta Directiva war, einen Überblick über den Stand der Dinge in der Casa Hogar zu bekommen. Daher war und ist es meine Aufgabe, den wöchentlichen Verbrauch in der Casa Hogar genau zu dokumentieren. Das umfasst Lebensmittel genauso wie Schulutensilien, Hygieneprodukte und Ersatzteile für den häuslichen Bereich (Glühbirnen, etc.).

Bei den wöchentlichen Sitzungen mit dem neuen Vorstand berichte ich über meine Tätigkeiten in der Casa Hogar, stehe als Ratgeber bei der Entwicklung neuer Ideen und Konzepte zur Seite und bringe Verbesserungsvorschläge vor, um das Leben der Kinder noch zufriedenstellender gestalten zu können.

Mein Leben hier in der Casa Hogar hat sich durch die neue Junta Directiva stark verändert. Die Umstellung auf die neue Verantwortungsstruktur ist mir nicht leicht gefallen und zu Beginn der neuen Zusammenarbeit hat es auch einige Diskussionen über die unterschiedliche Auffassung des Lebens in der Casa Hogar gegeben. Da für mich die Kinder im Vordergrund stehen, werde ich versuchen, meine Ideen und Vorstellungen in diese Richtung zusammen mit dem Vorstand und den Kindern zu verwirklichen.

 

 

2. Betreuung der Kinder

 

            Da in Guatemala die Schule Anfang Januar beginnt, hatte ich die Möglichkeiten, die schulischen Leistungen der Kinder von Beginn an genau zu verfolgen und meine schulische Unterstützung gezielt zu forcieren. Die Erstellung von Schülerakten hat sich als äußerst hilfreich erwiesen, um Schwächen vorzeitig zu erkennen und die notwendigen Maßnahmen zu ergreifen.

            Durch die intensive Zusammenarbeit mit den Schulen der Kinder konnte ich mir ein sehr gutes Bild über jeden einzelnen machen. Ich nahm an Elternsprechtagen teil, bat aber auch um Einzelgespräche um mit jedem Lehrer persönlich Kontakt herzustellen und detaillierte Informationen über unsere Schüler zu erhalten.

            Die Eltern der Schüler haben durch die geografische Entfernung nicht die Möglichkeit, die Lernfortschritte und Lernerfolge ihres Kindes zu verfolgen. Um trotzdem einen ausreichenden Informationsaustausch zu gewährleisten werde ich einige Familien während der Schulferien besuchen, über gemachte Erfahrungen sprechen und natürlich genau auf die Fragen der Eltern eingehen, damit diese ein noch besseres Bild von ihrem Kind bekommen.

            Ein Schwerpunkt im Konzept der Casa Hogar ist der Aufbau von Patenschaften für jedes Kind. In diesem Sinne habe ich zusammen mit den Kindern umfassende Lebensläufe jedes einzelnen erstellt, die interessierten Spendern geschickt wurden. Der Erfolg hat sich sehr bald eingestellt und es konnten 2 neue Patenschaften erlangt werden. Diese Form der finanziellen Unterstützung hat den großen Vorteil, dass ein direkter Kontakt zwischen Spender und Kind hergestellt wird. Dadurch spürt das Kind eine persönliche Unterstützung und der Spender kann direkt verfolgen, was mit seinem Geld passiert. Es gab sogar schon Patenschaften, die so intensiv wurden, dass Kinder nach Europa eingeladen wurden um einige Zeit mit ihren Paten zu verbringen.

            Im Freizeitbereich habe ich - auch dank der Hilfe meiner Familie - die Anschaffung neuer Spiele organisiert, die bei den Kindern sehr gut ankommen. Auch bei der Organisation von außerordentlichen Aktivitäten habe ich mitgeholfen, so zum Beispiel bei einem Ausflug an den See Atitlán, der als der schönste See der Welt gilt, oder bei einem gemeinsamen Essen in einer bekannten guatemaltekischen Restaurantkette.

            Einer der wichtigsten Punkte meiner bisherigen Tätigkeit ist sicherlich die Erstellung eines neuen Reglements innerhalb der Casa Hogar. Da ich in der ersten Zeit meiner Arbeit hier quasi nur durch die anderen Zivildiener und Freiwilligen eingeschult wurde, gibt es jetzt unter der neuen Junta Directiva einige Fragen im direkten Ablauf in der Casa Hogar, die ich durch diese Maßnahme zu lösen versuche. Auch für die Kinder selber erweist sich ein genaues Reglement als ungemein hilfreich, da jetzt Klarheit in vielen Bereichen des täglichen Lebens in der Casa geschaffen wurde und dadurch auch viele Ungerechtigkeiten, die die Kinder oft sehr persönlich nehmen, vermieden werden können.

            Ein weiterer Vorteil ist natürlich auch, dass dadurch die Arbeit für zukünftige Zivildiener und Freiwillige wesentlich erleichtert wird. Weiters werden dadurch auch die Autoritäten/Aufgaben jedes Zivildieners und Freiwilligen, aber auch die des Direktors und des Vorstandes genau geklärt, was Missverständnisse in der Zukunft verhindern kann.

            Ein weiterer immanent wichtiger Bereich ist die Zusammenarbeit mit einem befreundeten Arzt. Zusammen mit ihm arbeite ich einen Plan aus, der eine umfassende Gesundheitskontrolle jedes einzelnen Schülers gewährleisten soll. Die Untersuchung beinhaltet das  Anlegen von persönlichen Krankenblättern, eine genaue Kontrolle über diverse Krankheiten sowie die grundlegenden Impfungen.

            Mit Unterstützung des selben Arztes organisiere ich für die Kinder Informationsgespräche, in denen sie über Hygiene, Gesundheit und Sexualität aufgeklärt werden. Auch bei der Einrichtung einer umfassenden Hausapotheke stand er mir hilfreich zur Seite.

 

3. Reparaturarbeiten

 

            Durch die Vorbereitung auf die bevorstehende Regenzeit hat sich ein breites Aufgabenfeld im Rahmen von Reparaturarbeiten ergeben. Es galt wieder einmal Kostenvoranschläge einzuholen, Gespräche mit Handwerkern zu führen und immer wieder auch einmal selbst Hand anzulegen.

            Eine der umfassendsten Arbeiten in diesem Bereich war die Renovierung der Kapelle. Das Dach gehörte an einigen Stellen ausgebessert, die Außenfassade neu gestrichen, die Fenster ausgewechselt und der Innenraum gründlich gereinigt.

            Aber auch bei den Wohnräumen selbst gab es einiges herzurichten. Glücklicherweise hatten wir Hilfe von einem befreundeten Handwerker aus Österreich, der viel Zeit von seinem 2-monatigen Aufenthalt damit verbrachte, die Casa Hogar wieder in perfekten Zustand zu bringen. Es galt das Dach abzudichten, die Sanitäranlagen zu reparieren bzw. auszuwechseln und Schränke für die Zimmer der Kinder zu bauen.

            Eine essentielle Arbeit war die Reparatur und Verbesserung des Brunnensystems, das durch veraltete Wasserpumpen außer Gefecht gesetzt wurde und jetzt wieder einwandfrei funktioniert. Um einen Mangel an lebenswichtigem Wasser für die Zukunft zu verhindern, haben wir eine schon gebaute Zisterne benutzbar gemacht.

 

 

5. Sonstiges

 

            Schlussendlich ergaben sich noch eine Reihe weiterer Beschäftigungen, Dienste und Arbeiten, die nicht im Vertrag mit dem Verein für Dienste im Ausland festgelegt wurden.

            Seit Anfang April haben wir hier eine neue Freiwillige, Inga Vogel. Ihre umfassende Einschulung ist Aufgabe von den Zivildienern, daher von Ewald Natter und mir. Leider sind wir in diesem Bereich auf uns allein gestellt, obwohl dies eigentlich eine Aufgabe der Junta Directiva wäre.

            Zusammen mit unserm Gärtner bin ich dabei, ein Programm zur Nutzung der weitreichenden Grünflächen zu erstellen. Geplant sind Gemüsebeete, die die Kinder selbstständig betreuen, sowie ein vielfältig gestalteter Bereich im Grünen, wo die Kinder lernen, aber auch ihre Freizeit verbringen können. Der Vorteil liegt darin, dass die Kinder ihren - von Kindheit an gewohnten - Zugang zur Natur nicht verlieren.

            Ein außergewöhnliches Ereignis war der 2-wöchige Aufenthalt von 39 Jugendlichen und Lehrern im Rahmen der Alphabetisierung bei uns. Sie wurden in den Räumlichkeiten der Werkstätten untergebracht. Daher mussten wir einige Veränderungen arrangieren, darunter die Einrichtung einer kleinen Küche in der Klasse, um den Anforderungen gerecht zu werden. Es wurde ein gemeinsamer Liederabend organisiert und als besondere Zugabe haben wir einen Zauberer eingeladen.

            Es wurde auch ein weiteres Café Literario veranstaltet, bei dem die Kinder wieder ihre künstlerischen Fähigkeiten unter Beweis stellten. Wie schon beim ersten Mal war ich von den individuellen Fähigkeiten der Kinder sehr begeistert.

            Auch bei der Ausführung eines Maifestes im Instituto Austriaco Guatemalteco, der österreichischen Schule, habe ich aktiv mitgewirkt, um einen reibungslosen Ablauf zu ermöglichen.

 

            Zum Abschluss möchte ich noch über meine persönlichen Eindrücke schreiben. Ich bin nun schon 8 Monate hier in Guatemala. Ich verbringe mein Leben mit einer Schar von Jugendlichen und habe sehr persönliche Beziehungen zu jedem Einzelnen entwickelt. Die Kinder haben mich durch ihre direkte und ehrliche Art in der Entwicklung meines Charakters und meiner Einstellung zu der Welt unglaublich unterstützt. Sie haben mich gefordert, aber auch als einen Freund, Vater und Betreuer aufgenommen. Ich habe das außergewöhnliche Glück, in einer Gemeinschaft wie dieser zu leben, die für mich zu einer zweiten Familie geworden ist.

 

Ende des Berichts