An die

Österreichische Botschaft

6a Avenida 20-25 Zona 10, Edif. Plaza Marítima

Guatemala City

 

2. Tätigkeitsbericht von Ewald Natter

österreichischer Sozialdiener an der 

Casa Hogar estudiantil ASOL

10a Calle 2-25 Santa Rosita, Zona 16, Guatemala City

 

Berichtszeitraum: 1. Dezember 2001 – 31. März 2002

 

Dienstantritt: 1. August 2001

Dienstende: 30. September 2002

Trägerorganisation: Verein für Dienste im Ausland nach § 12b Zivildienstgesetz


Am Beginn dieses 2. Tätigkeitsbericht ist zu sagen, dass dieser zu einem beträchtlichen Teil auf dem ersten Bericht aufbaut, da natürlich viele Aufgaben und Funktionen gleich geblieben sind und sich durch die ganzen 14 Monate Dienstzeit hindurchziehen. Allerdings sind weitere Aufgabenfelder hinzugekommen, auf die ich in diesem meinem zweiten offiziellen Tätigkeits­bericht nun auch genauer eingehen möchte. Neben der ständigen 24-Stunden-Betreuung der Kinderschar, detailliert beschrieben im 1. Bericht, sind mir im weiteren Verlauf meines Sozial­dienstes in Guatemala darüber hinaus folgende Aufgabenbereiche zugefallen:

·         Kontakt zu Eltern und Lehrern der Kinder

·         Individueller Nachhilfeunterricht für Prüfungskandidaten

·         Buchhaltung und Abschluss für das Jahr 2001

·         Einrichtung und Installation eines Computerraumes

·         Veranlassung und Überwachung von Reparatur- und Renovierungsarbeiten

·         Weitere besondere Tätigkeiten


Kontakt zu Eltern und Lehrern der Kinder

Eine wichtige Rolle kommt den Auslandsdienern an der Casa Hogar in der Funktion als Schnittstelle zwischen Kindern, Eltern und Lehrern zu. Zur enormen geographischen Entfernung von Eltern und Kinder bzw. deren Schule kommt noch die enorme Diskrepanz zwischen Stadt und Land hinzu, was in der Folge den direkten Kontakt zwischen Lehrern und Eltern praktisch unmöglich macht. Trotzdem hat natürlich die Familie das Recht und auch den Wunsch, über die Lernfortschritte ihrer Schützlinge und den Schulverlauf im Allgemeinen informiert zu werden.

 

So machte ich mich in den Ferien auf den Weg ins Hochland, um sechs Familien zu besuchen und im Zuge dessen Informationen weiterzugeben, gemachte Erfahrungen mit den Kindern auszutauschen und Rücksprache zu halten. Natürlich war es vorher erforderlich, das schulische Profil eines jeden Kindes eingehend zu analysieren, um ausreichend Auskünfte an die Eltern vermitteln zu können. Im Zusammenhang dazu steht auch unsere Aufgabe, zahlreiche Verbindungen in Form von Schulveranstaltungen, Elternsprechtagen, Eltern­abenden und Sprechstunden zur Schule zu erhalten und zu pflegen.

 

Der Kontakt mit den Eltern und deren Leben im Hochland erleichtert mir auch den Umgang mit den Kindern, weil ich dadurch Hintergründe für verschiedene Verhaltensweisen der Kinder erkennen konnte und kann.

Individueller Nachhilfeunterricht für Prüfungskandidaten


Am 9. Jänner 2002 standen die Nachprüfungen an, für Schüler mit negativen Noten im Schulzeugnis. Von 18 Kindern und Jugendlichen, die insgesamt  sechs verschiedene Schulen besuchten, mußten drei in jeweils einem Fach nach den Ferien noch einmal antreten. Ich bot also während der großen Ferien (hier November, Dezember) individuelle Lernhilfe in Mathematik, Physik und Englisch an. Alle drei bestanden die Prüfungen ohne Probleme und konnten ein Jahr aufsteigen.

 

 

Buchhaltung und Abschluss für das Jahr 2001

Durch den vorzeitigen Abtritt des ehemaligen Kassiers Fritz Klisch und der Präsidentin Brigitte Müller aus der Junta Directiva (Projektleitung), begründet in gesundheitlichen Problemen (im ersten Tätigkeitsbericht bereits erwähnt), fiel mir gegen Ende des Jahres 2001 auch der buchhalterische Abschluß des letzten Projektjahres zu. Durch meinen HAK-Abschluß und bereits gesammelter praktischer Erfahrung in der doppelten Buchhaltung und der Kassabuchführung war dies leicht möglich. Die Schwierigkeit lag eher darin, einen kompletten Überblick über die Finanzgebarung zu bekommen, da in jüngerer Vergangenenheit mehrmals das Konto gewechselt werden mußte und nach Ablöse von Fritz Klisch insgesamt mehrere "Ersatzkassiere" tätig waren. Außerdem galt es, im Zeitraum Jänner bis Juli genauer nachzuforschen, da mein Dienstantritt ja bekanntlich erst mit 1. August 2002 erfolgte.

 

Am 15. Jänner 2002 übergab ich schließlich die fertiggestellte und chronologisch geordnete Buchhaltung inklusive Belegsammlung an Brigitte Müller und Fritz Klisch in Österreich, die den Ordner dort wiederum den Geldgebern zur Ansicht und Prüfung vorlagen. Dies war Hauptvoraussetzung für die weitere Zusage von österreichischen Geldmitteln für das Projektjahr 2002.

 

Gemäß Statuten wurde Ende Februar 2002 eine neue Junta Directiva von den ASOL-Mitgliedern gewählt und mit der Projektleitung betraut. Neue Kassierin (Tesorera) ist Hildegard Heilmann und somit sollten buchhalterische Arbeiten wieder innerhalb des  Aufgabenbereichs der Organisation durchgeführt werden.


Einrichtung und Installation eines Computerraumes

 

Während ich im 1. Tätigkeitsbericht noch die Durchführung des Computertransfers  von Vorarlberg nach Guatemala schilderte, waren die Geräte bereits unterwegs zu uns und sind mittlerweile unbeschadet angekommen. Die Bundeslehranstalt Bezau (meine ehemalige Schule) in Vorarlberg spendete uns 2 komplett ausgestattete PCs. Meine Eltern legten einen Tintenstrahldrucker hinzu und halfen mir aus Österreich mit der Veranlassung des Transports.

 

Nun bestand meine Aufgabe eben darin, das technische Gerät für die Kinder nutzbar zu machen dh aufzustellen, Software auf spanisch zu installieren und Kontrollmöglichkeiten einzubauen. Das EDV-Angebot wird von den Kindern mit Freude angenommen und ständig für schulische Zwecke verwendet. Möglichkeiten einer Internetanbindung gibt es nach wie vor keine bzw. nur unter hohem finanziellen Aufwand.

 

Da die Kinder jedoch bisher kaum mit Computern gearbeitet haben, muss ihnen viel erklärt und gezeigt werden. Neben meinen zahlreichen Funktionen als Betreuer, Nachhilfelehrer, Mentor, Erzieher bis hin zum Buchhalter oder Heimleiter, habe ich nun also auch noch den Job eines Informatiklehrers hinzubekommen.

 

 

Veranlassung und Überwachung von Reparatur- und Renovierungsarbeiten

 

Auch in den letzten vier Monaten standen wieder zahlreiche Reparatur- und Renovierungsarbeiten an. Diese zu koordinieren und teilweise auch selbst durchzuführen, bedeutete ebenfalls erheblichen Aufwand. So mußten Kostenvoranschläge eingeholt, Kosten verglichen und Handwerker unterrichtet werden. Ein zweimonatiger Besuch eines Heimwerkers aus Österreich kam uns da sehr gelegen. So konnten wir gemeinsam viele Arbeiten lediglich zu den Materialkosten durchführen.

 

So wurde das Wassersystem (eigener Brunnen) verbessert, die Dächer beider Gebäudetrakte abgedichtet bzw. repariert (Regenzeit steht an), Wände und Kästen gestrichen, die Kapelle renoviert, Regale eingebaut bzw. aufgestellt und Waschbecken repariert.


Weitere besondere Tätigkeiten

 

·         Wiederum wurde von uns ein Café Literario veranstaltet, ein Sing-, Spiel- und Gedichteabend vor Publikum. Fast ein jedes der Kinder stellte seine musikalischen bzw. künstlerischen Fähigkeiten unter Beweis. Es waren abermals viele Leute eingeladen und die Kinder konnten wieder einmal ihre hohe Begabung präsentieren und unter Beweis stellen.

·         Weiters fand ein Gedichte-, Mal-, und Singwettbewerb statt. Im Laufe der Zeit eingebrachte kleine Sachspenden wurden von uns, der Jury, als Preise bzw. Belohnung vergeben.

·         Weiterhin erhalten die musikalisch Interessierten unter den Kindern etwas Klavierunterricht von mir.

·         Inga Vogel, eine freiwillige Sozialarbeiterin, die Ende März bei uns begonnen hat und ein halbes Jahr mit den Kinder der Casa Hogar arbeiten möchte, wird von uns eingeschult und mit allem vertraut gemacht. Dies wäre an sich auch Aufgabe der Junta Directiva, wird von der Projektleitung allerdings leider kaum bis gar nicht wahrgenommen.

·         Im neuen Schuljahr wurde wieder mit dem Schwimmunterricht begonnen.

·         Anfang März fand der erste Elternsprechtag in diesem Schuljahr statt. Im Zuge dessen waren viele Gespräche mit Lehrern, Direktor und anderen Eltern möglich.

·         Für den Elternabend des Instituto Austriaco Guatemalteco bereitete ich eine Präsentation über das Projekt Casa Hogar estudiantil ASOL vor. Teilweise wußten die Leute überhaupt nichts von diesem Sozialprojekt, das nur einige Meter von der österreichischen Schule entfernt beheimatet ist.

So kamen viele gute Kontakte zustande und einige Eltern haben mir zugesichert, uns in Zukunft nach Möglichkeit unterstützen zu wollen.

 

(Ende des Berichts)