Indien: Eine Reise gen Norden in das weite Delhi

Matthias Hochholzer ist Sozialdiener in dem experimentellen Stadtprojekt Auroville und arbeitet dort bei der Auroville Village Action Group (AVAG) in der Musikwerkstätte SVARAM mit einheimischen Tamilen aus verschiedenen Kasten und Dörfern zusammen. Seine Hauptaufgabe ist es, technisches Wissen an die Tamilen und besonders an die Trainees weiterzugeben.

Matthias Hochholzer, Sozialdiener in Auroville

Im Moment baut Matthias an seiner Stelle ein Lehrsystem auf, bei dem es darum geht, dass sich Einheimische selbst etwas beibringen und eigenen Forschungsarbeiten nachgehen können. Einen Großteil seiner Zeit verbringt Matthias dann aber beim Englischunterrichten oder mit dem Organisieren von neuen Werkzeugen für die Werkstätte, damit ein sicheres Arbeiten ermöglicht wird.

Besonders freut sich der engagierte Sozialdiener, wenn er sieht, wie seine Tätigkeit wertgeschätzt wird. Seit Neuestem lernt er auch die Basics von Tamil (die Sprache der Tamilen), was durchaus auch umgekehrt bei den Tamilen für großen Eindruck sorgt, denn „ein ‚Weißer‘ spricht selten etwas in Tamil“.

Ende Oktober kam einmal mehr Abwechslung in den ohnehin schon stets spannenden Arbeitsalltag von Matthias. Er erhielt von der, von seiner Einsatzstelle 2000 km entfernten, Österreichischen Botschaft in Delhi eine Einladung zur Feierlichkeit des Nationalfeiertages am 26. Oktober. Doch alles der Reihe nach.

Die Reise des Sozialdieners in den Norden war nämlich geprägt von zahlreichen Höhenpunkten. Bereits am Samstag, dem 22. Oktober, startete er die einmalige Woche mit einer Bustour nach Chennai, die von Auroville nächstgelegene Großstadt. Von dort trat er am nächsten Tag die lange, etwas beschwerliche Reise zur Hauptstadt Delhi im Nordern Indiens an.

Kaum angekommen, wollte Matthias erstmal die Stadt erkunden und stieß sogleich auf ein großes Streetfood-Festival. Spannend, wenn man in eine andere Stadt fährt, ist immer der erste Eindruck. Für Matthias war es eine gänzlich neue Erfahrung, die Hauptstadt mit all dem Verkehr, den vielen Menschen, der Armut, zugleich auch dem Reichtum, der Pollution und vielem mehr wahrzunehmen. Am Abend des ersten Tages in Delhi besuchte er noch ein Reggae-Konzert, das einen Gegensatz zu der ländlichen Musik bildete, die er die letzen Monate stets gehört hatte. Im Zuge des Konzertes hatte er auch die Möglichkeit, einige spannende Personen aus der Musikszene kennen zu lernen.

Am nächsten Tag stand eine ausgiebige Sightseeing-Tour auf dem Programm, die ihn unter anderem zum Red Fort, einer alten Festung, und nach Old Delhi führte. Old Delhi entpuppte sich wieder als eine ganz andere Welt. So erstaunten ihn die schmalen Gassen, wo nicht einmal Autos durchfahren können und somit die Einwohner zu Fuß oder mit einer Rickshaw, einer Art Fahrrad, unterwegs sind.

„Man kann sich die Verhältnisse, in denen die Einheimischen dort leben, gar nicht vorstellen, wenn man es nicht mit seinen eigenen Augen gesehen hat.“ – Matthias Hochholzer

Eine Besichtigung des Humayun`s Tomb, eines imposanten Grabbaus eines ehemaligen Herrschers, stand am dritten Tag der Reise auf dem Programm. Am Abend traf Matthias, der nicht erst seit seiner Arbeit bei der Musikwerkstätte SVARAM Musik begeistert ist, einen Musiker namens Jayant, der in einer Musikcommunity in Delhi lebt. Tagtäglich musiziert er in der Stadt und spielt klassische Musik. Für den Sozialdiener Matthias war es ungemein spannend, mit einer Person zu sprechen, die sich bestens mit der traditionellen Musik Indiens auskennt. Aus all diesen Inputs konnte er viel für seine täglichen Aufgaben an der Werkstatt mitnehmen.

Dienstags stand die Besichtigung eines Weltwunders an. Matthias Hochholzer reiste nach Agra und besuchte dort das berühmte Taj Mahal. Das weiße Gebäude war für ihn sehr eindrucksvoll, „man kann kaum fassen, dass dies von Menschenhand erbaut wurde!“. Interessant war an diesem Tag aber auch die sechsstündige Zugfahrt, da er hier Zeit hatte, in Ruhe mit Indern in einem Abteil zu sitzen und über ihr Leben zu sprechen.

Feier zum Österreichischen Nationalfeiertag in der Österreichischen Botschaft in Indien.

Feier zum Österreichischen Nationalfeiertag in der Österreichischen Botschaft in Indien.

Höhepunkt seiner Reise bildete nun der Abend des 26. Oktobers, wo er in der österreichischen Botschaft in Delhi zu den Feierlichkeiten des Nationalfeiertags teilnehmen durfte. Bei dem Event nahmen Vertreter aus der ganzen Welt teil. Beispielsweise ergab sich für Matthias Hochholzer ein Gespräch mit Herrn Manfred Endt, dem Managing Director der Firma AGRU Plastic Technology. Persönlich kennen lernen durfte er die Amtshandelnden der österreichischen Botschaft in New Delhi, Herrn Gesandten Mr. Georg Zehetner und Mrs. Karina Serrano Vargas. Weiters kam Matthias in Kontakt mit den Attachés for Administrative Affairs, Herrn und Frau Hufnagel und ihrem Sohn, dessen Interesse er für den Österreichischen Auslandsdienst wecken konnte.

Matthias Hochholzer drückte vor allem seine Begeisterung dafür aus, dass auf der Veranstaltung Vertreter aus der ganzen Welt teilnahmen:

„Alleine die Kleidungsstücke, die getragen wurden, waren interessant zu sehen. Für mich selbst war es eine Bereicherung, einen Einblick zu bekommen, wer in den Botschaften arbeitet, und es war spannend, mit anderen Österreicherinnen und Österreichern zu sprechen, die in Indien leben und arbeiten.“

Matthias Hochholzer und Michael Heinz, der Direktor des Österreichischen Kulturforums in Indien.

Für den 27. Oktober, den Tag nach dem Nationalfeiertag wurde Matthias vom Direktor des Österreichischen Kulturforums in Indien, Herrn Michael Heinz, für ein Gespräch in das Österreichiche Kulturforum in Neu-Delhi eingeladen. Bei dem einstündigen Gespräch wurde über den Österreichischen Auslandsdienst, über die Einsatzstelle in Auroville, die österreichische und die indische Kultur, sowie über das Kulturforum gesprochen. Thema war jedoch auch ein Projekt über den Bau einer Bogenharfe in Auroville von Prof. Josef Baier, der Bildhauer, Klangskulpturenbauer und Lehrer an der Kunstuni in Linz ist. Matthias Hochholzer war froh über den intensiven und guten Austausch. Durch das Gespräch wird Prof. Josef Baier nun auch vom Kulturforum unterstützt und er wird nach Indien kommen, um an seinem Projekt zu arbeiten.

Matthias Hochholzer mit Desiree Sandanasamy von Advantage Austria

Am 29. Oktober durfte ich mich mit der Desiree Sandanasamy, einer Intern bei ADVANTAGE AUSTRIA INDIA in Delhi, treffen. Wir hatten ein sehr interessantes Gespräch über die Arbeit von Advantage Austria und die indischen Kultur, da sie in Innsbruck, Österreich lebt, ihre Eltern aber aus Tamil Nadu und Kerala, Südindien abstammen.

In den letzten Tagen seiner Reise standen mehr mehr Sightseein in der Stadt an. Auch ein weiteres Konzert mit indischer Musik und modernen Vibes, sowie ein erneutes Treffen mit dem Musiker Jayant waren teil des Programms. So es der Zufall will, traf Matthias bei einer Stadttour zufällig inmitten Neu-Delhis auf zwei Waldviertler, mit denen er sich bestens verstand.

von Andreas Jehle

Andreas Jehle

Kommentar von Andreas Jehle: „Für Matthias Hochholzer bot diese Reise eine neue Möglichkeit des interkulturellen Austausches. Ein solcher Austausch beruht immer auf zwei Faktoren: man muss offen sein für Fremdes, sich aber auch selbst öffnen können. In Gesprächen für das Verfassen dieses Artikels ist mir klar geworden, dass Matthias dieses Talent besitzt. Sich für andere interessieren, sich aktiv einbringen, alles mit offenen Augen wahrnehmen und möglichst viel von jedem Augenblick mitnehmen – für die Einsatzstelle, für den Auslandsdienst, für das eigene Leben. Gerade durch diese Reise wird der Sinn eines Auslandsdienstes einmal mehr beleuchtet.“