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Salzburg
3/2000
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Das erste Seminar des Vereines
für Dienste im Ausland im neuen Jahrtausend ging in Salzburg
über die Bühne. Über die Bühne sprichwörtlich deshalb, weil
das Seminar in einem Theatersaal des Missionshauses Liefering
stattfand. Dieser war geräumig und verfügte über eine große
Rednerbühne. Die im Grünen gelegene Schule und ihr Areal boten
ausreichend Platz, um in den Pausen durchatmen zu können.
Im Gesamten also ein gut ausgewählter Platz zum Abhalten eines
Seminars.
Freitag, 10.3. 2000
Wir versammelten uns Freitag abends zur ersten Sitzung. Der
Vereinsobmann, Dr. Andreas Maislinger, erzählte von der Geschichte
der Entstehung des Vereins, der nach dem Vorbild der deutschen
Aktion Sühnezeichen gegründet wurde. Danach wurden allerlei
Anfragen zum Auslandsdienst geklärt und das Seminarprogramm
verkündet.
Samstag, 11.3. 2000
Das Treffen am Samstag startete um 9 Uhr morgens. Nach organisatorischen
Erledigungen teilten wir uns in Gedenkdienst-, Sozialdienst-
und Friedensdienstinteressenten und besprachen inhaltliche
Themen zu den einzelnen Stellen. Es wurde auch über eine Fahrt
nach Auschwitz im Zusammenhang mit einem Gespräch im Kulturinstitut
Krakau debattiert. Dem folgte ein interessanter Vortrag von
Frau Dr. Strasser, von dem ich hier eine kurze Zusammenfassung
anbringen möchte:
Frau Strasser berichtete über die Weltanschauung des Nationalsozialismus,
seine Entstehung und deren Hintergründe. Zuerst ging sie darauf
ein, dass der Nationalsozialismus seit dem 19. Jh. in der
Tradition verankert gewesen sei. Die Nation, deren Bürger
sich durch kollektive Identität verbunden fühlten, wurde emotional
besetzt und zum utopischen Zielbegriff gemacht, der NS wurde
somit zur politischen Tugend und wandte sich gegen Liberalismus
und Demokratie. Gesetzwidriges politisches Handeln konnte
unter Verweis auf die NS-Gesinnung gerechtfertigt werden,
welche der Führer verkörperte. Die Unterscheidung zwischen
Freund und Feind war Teil dieser Gesinnung, deren Akzeptanz
auch durch emotionale oder finanzielle Abhängigkeit des Volkes
gefördert wurde. Wissenschaftliche Erkenntnisse wie der Darwinismus
wurden ekletizistisch missbraucht, um niederträchtigsten Theorien
den Anschein von Wissenschaftlichkeit zu geben, und sie somit
zu legitimieren, da zur Jahrhundertwende der Glaube in Fortschritt
und Wissenschaft sehr groß war. Es wurde daraufhin unbedingter
Geltungsanspruch der totalitären und intoleranten NS-Gesinnung
erhoben, in dessen Folge die Weltherrschaft gefordert wurde.
Frau Strasser erhielt Applaus für ihren informativen Vortrag,
dem ein Gespräch mit Fragen der Zuhörer folgte. Abschließend
bekam sie als Dankeschön für ihr Kommen einen Blumenstrauß
überreicht. In der Mittagspause war dann ein Essen im nahe
gelegenen Europark angesagt. Nachdem wir am Vormittag vieles
über die Theorie des Nationalsozialismus gehört haben, gewährte
uns am Nachmittag Herr Feingold von der jüdischen Kultusgemeinde
Salzburg einen Einblick in dessen Praxis, er teilte den Zuhörern
auch Wissen über das Judentum speziell in Salzburg sowie im
allgemeinen mit.
Herr Feingold wurde 1913 geboren. Am Anfang des Gespräches
kritisierte er die aus seiner Sicht unkritische Aufnahme Hitlers
in Österreich, auch die Parteien nach 1945 haben sich, so
Feingold, jüdisches Besitztum angeeignet. Verständnisvoll
wurde seine emotionale Betroffenheit, die ihn mit dieser Thematik
verbindet, als er uns das Alltagsleben in den Konzentrationslagern
Auschwitz schilderte. Laut Feingold könne man die Belastung
durch Peinigungen und auferlegte Sisyphus Arbeiten nur mit
einem eisernen Willen und viel Hoffnung bestehen. Er selbst
hatte das Glück, als Handwerker gearbeitet zu haben, welche
gebraucht wurden, und somit dem Tod zu entkommen. Auch vom
Judentum in Salzburg nach dem Krieg bis heute hatte er einiges
zu berichten, wie etwa, dass Spannungen in unserem Land heute
oft noch so groß sind, dass es in kleineren Gemeinden Juden
gibt, die ihre Herkunft aus beruflichen Gründen unsichtbar
halten. Herr Feingold blieb seinen Zuhörern als ein lockerer
Redner und bedeutender Zeitzeuge in Erinnerung, der trotz
seiner Vergangenheitserfahrung die Freude an der Fröhlichkeit
des Lebens nicht verloren hatte.
Bei einem anschließend stattfindenden Gespräch wurde die Teilnahme
des Vereins an der im Mai stattfindenden Befreiungsfeier in
Mauthausen, sowie die Organisation von Busfahrten nach Mauthausen
diskutiert. Weiteres wurde das Thema Überparteilichkeit des
Vereins besprochen: Als überparteiliche, unpolitische Organisation
ist es nicht die Aufgabe des Vereins für Dienste im Ausland,
Stellungnahmen zur politischen Situation abzugeben.
Sonntag, 12. 3 2000
Die einzelnen Mitarbeiter-Referate trafen sich zur Besprechung.
Danach erfolgte die Auswahl der zukünftigen Auslandsdiener.
In diesem Zusammenhang war die Erklärung der Objektivität
bei der Auswahl der Anwärter für die Stellen, die Vereinsobmann
Dr. Andreas Maislinger abgab, klarstellend und repräsentativ
für die Vorgehensweise im Verein. Somit konnten alle Teilnehmer
das Seminar, welches gegen Mittag zu Ende war, mit einem guten
Gefühl verlassen.
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