Zweites Jahrgangstreffen des Jahrgangs 2017

Vom 16. bis 18. Dezember 2016 fand in Wien das zweite Treffen des Jahrganges 2017 statt. Das Treffen fand wie in den letzten Jahren im Wiener Karl-Renner-Institut statt, welches uns freundlicherweise die Räumlichkeiten zur Verfügung stellte.

Freitag – Anreise, erneutes kennenlernen & lokale Schmankerl

Auslandsdienst-Kandidaten aus ganz Österreich nahmen am Jahrgangstreffen in Wien teil.

Bereits am Freitag Abend wurde das Seminar durch unseren Jahrgangssprecher, Benedikt Schultz, eröffnet. In einer kurzen und informativen Präsentation gab Benedikt uns einen Überblick über das abwechslungsreiche Programm des bevorstehenden Wochenendes. Weiters sprachen wir über generelle, den Jahrgang betreffende Punkte. Anschließend gab es eine kurze Vorstellungsrunde für all jene Teilnehmer des Seminars, die beim ersten Treffen in Linz im Juli 2016 nicht teilnehmen konnten. Nach allgemeinen Fragen und Anregungen aller Kandidaten, ließen wir den Abend gemütlich in einem Wiener Heurigen mit lokalen Schmankerln ausklingen.

Samstag – Vorbereitung & Diskussionsrunden

Jörg Reitmaier, ehemaliger #Gedenkdiener am Auschwitz Jewish Center und dem Virginia Holocaust Museum und langjähriger Geschäftsführer, gab den zukünftigen Auslandsdienern viele hilfreiche Tipps mit auf den Weg.

Früh morgens ging es am Samstag dann jedoch wieder zur Arbeit. Ein gut gefüllter Tag stand am Programm. Aufgrund der großen Anzahl an Gedenkdienst-Kandidaten, teilten wir uns in drei Gruppen, um es allen Teilnehmern zu ermöglichen, sich in die Diskussionen zu Gründen des Aufstiegs des Nationalsozialismus, sowie zu tagesaktuellen, politischen Entwicklungen, einzubringen.

Nach der Ausarbeitung in den Kleingruppen, wurden die Konklusionen einander in der großen Runde im Plenum vorgetragen. Dabei war besonders spannend, die verschiedenen Herangehensweisen zu beobachten, mit denen die einzelnen Gruppen die Themen beleuchteten.

„Der Mann auf dem Balkon“

Film: „Der Mann auf dem Balkon“

Am Vormittag, stand dann noch ein weiterer Höhepunkt an. Gemeinsam schauten wir uns den Film „Der Mann auf dem Balkon“ an. Der Dokumentarfilm handelt von Rudolf Gelbard. Jener war als Kind Gefangener im Konzentrationslager Theresienstadt. Durch diese prägende Erfahrungen in seiner kann Gelbard aus erster Hand Zeugnis von den Gräueltaten des Dritten Reiches ablegen. Nur wenige Kinder überlebten den Aufenthalt in Theresienstadt. Unermüdlich war und ist Gelbard seit vielen Jahren an der Bekämpfung von braunem Gedankengut tätig. In dem Film besucht der Holocaustüberlebende verschiedene Stationen seines Lebens.
Begonnen hat alles mit Demütigungen und Schikanen in einer Wohnsiedlung in Wien. Auch die Reichspogromnacht erlebte er hautnah in Wien mit. Im Oktober 1942 wurde er mit seiner Familie nach Theresienstadt deportiert, wo er bis 1945 eingesperrt war. Von den etwa 15.000 Kindern im Konzentrationslager Theresienstadt überlebten nur etwa 200.

Es waren berührende Momente zu sehen, wie Gelbard nach Theresienstadt fährt und den schrecklichen Ort seiner Kindheit aufsucht. Ein Ort, der von einer derartigen Angst und Hoffnungslosigkeit geprägt war, dass wir es uns als Jugendliche heutzutage kaum vorstellen können. Der wirklich sehenswerte Film erhielt mehrere Preise. Unter anderem wurde er mit dem Erasmus-EuroMedia-Award ausgezeichnet. In einer, aufgrund des mitnehmenden Filmes, etwas bedrückten Stimmung ging es dann zum gemeinsamen Mittagessen.Am Samstagnachmittag stand eine Nachbesprechung des Filmes auf dem Programm. In dieser analysierten wir den Film aus unterschiedlichen Perspektiven und diskutierten über einzelne Aspekte. Unter anderem unterhielten wir uns auch länger über das Konzentrationslager Theresienstadt.

Erfahrungen von Auslandsdienst-Alumni

Gedenkdienst-Teil

Nach dem Mittagessen empfingen wir die #Auslandsdienst-Alumni, die anreisten, um ihre Erfahrungen mit ihren Nachfolgern zu teilen. Paul Pumsenberger, ehemaliger Gedenkdiener an der Amicale de Mauthausen in #Paris, und Lukas Mayer, ehemaliger Gedenkdiener am Russian Research and Educational Holocaust Center in Moskau, boten den Kandidaten spannende Einsichten in ihre zukünftigen Tätigkeiten als Gedenkdiener.

Gedenkdienst-Alumni Paul Pumsenberger (Paris) und Lukas Mayer (Moskau) berichten von ihren Erfahrungen.

Aber auch die Herausforderungen und Schwierigkeiten, die sich ergeben können, wurden nicht ausgespart. Denn die Fragen, wie schwierig oder leicht es ist private Kontakte im Einsatzland zu knüpfen, wie man mit schwierigen Situationen am Einsatzort umgehen soll, oder wie man sich während des Auslandsdienstes weiter gut in den Verein einbringen kann, waren von großem Interesse für alle angehenden Auslandsienst-Kandidaten.

Gespanntes lauschen

Thomas Gaar erzählte den angehenden #Sozialdienern zeitgleich von seinem Sozialdienst, den er 2015-2016 bei Kindern eine Chance in Uganda leistete.

Thomas Gaar erzählt über seinen Sozialdienst in Uganda.

In einem umfangreichen und exzellent vorbereiten, multimedialen Vortrag erzählte Thomas den Kandidaten von seinen Erfahrungen. Gegen Ende, als sich die Möglichkeit ergab, lauschten auch noch einige der Gedenkdienst-Kandidaten in der Sozialdienst-Gruppe mit. Anschließend stand Thomas noch über Fragen und Anregungen aller zukünftigen Sozialdiener zur Verfügung.

Der nächste Punkt auf der Agenda war die Aufteilung der Kandidaten nach Areas. Dort kamen rege Diskussionen zu Einsatzländern und Vorbereitung auf. Danach stellte sich Alumnus Manuel Müller im Plenum zur Verfügung, um Fragen zur Finanzierung, zu bestimmten Versicherungen und anderen rechtlichen Absicherungen und Vorkehrungen vor dem Einsatz in einem anderen Land, zu klären. Mit großer Geduld, aber vor allem mit inhaltlicher Stärke, brachte Manuel bei so manchen Kandidaten Licht ins Dunkle. Da inzwischen der Abend angebrochen war, gingen wir in eine Pizzeria und genossen köstliche italienische Pizzen.

Sonntag – Reflexion

Karl-Renner-Institut

Der Sonntag begann mit einer Reflexion über das bisherige Seminar. Anschließend teilten wir uns wieder in die bewährten Kleingruppen – diesmal jedoch beliebig zusammengewürfelt, um es den Kandidaten so zu ermöglichen, über den Tellerrand ihrer Area oder Dienstart hinaus, andere Kandidaten des Jahrgangs besser kennenzulernen, mit denen sie zuvor eventuell noch wenig Kontakt hatten.

Währenddessen fanden „Einzelgespräche“ aller Kandidaten mit dem Jahrgangssprecher Benedikt Schultz und dem Gedenkdienst- bzw. Sozialdienstkoordinator statt. Nach dem Ausblick auf die kommenden Monate, wurde das Jahrgangstreffen schließlich beendet.

Wir möchten uns bei unseren Alumni Paul Pumsenberger, Lukas Mayer, Thomas Gaar und Manuel Müller dafür bedanken, dass sie zum Treffen angereist sind und ihre wertvollen Erfahrungen mit dem Jahrgang 2017 geteilt haben. Besonderer Dank gilt auch Jörg Reitmaier, der uns durch das Treffen begleitete, dem Karl-Renner-Institut für die Zurverfügungstellung der Räumlichkeiten und schließlich Benedikt Schultz, unserem Jahrgangssprecher, für die Organisation und den erneut reibungslosen Ablauf des Jahrgangstreffens!