Europa-Gedenkdiener reisen zum Internationalen Holocaust Gedenktag nach Auschwitz

Die Gedenkdiener Valentin Wölflmaier aus Berlin, Sven Oprešnik aus Kraków, Max Schwaiger aus Oświęcim, Stefan Karl und Max Wintersperger aus Paris und Gregor Descristoforo aus Praha, trafen sich vom 27.01. bis zum 30.01.2017 in Polen, um gemeinsam die Stadt Krakau und den Gedenkort Oświęcim zu besichtigen.

Gruppenfoto der Gedenkdiener vor der Kirche in der Wawel-Burg (Krakau)

Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz

Im Zentrum der Bildungsreise stand die Teilnahme an der Gedenkfeier zum Holocaust Remembrance Day, welcher zum 72. Mal an die Befreiung des KZ Auschwitz am 27.01.1945 erinnerte.

Darauf folgte ein ausführlicher Rundgang durch das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau, welches als Mahnmal an alle Opfer des Nationalsozialismus fungiert.

Stefan Karl: „Wenn man sich an diesem historischen Ort des Schreckens und der Unmenschlichkeit befindet, ist es nur schwer nachvollziehbar, dass es auch heute immer noch Menschen gibt, die all dies leugnen und nicht bereit sind aus der Geschichte und für die Zukunft zu lernen.“

Film „Denial“

Abends besuchten die Gedenkdiener den Film „Denial“, der sich mit dem Prozess gegen den britischen Holocaustleugner und Geschichtsrevisionisten David Irving beschäftigt.


David Irving zog 1995 gegen die Amerikanisch-Jüdische Historikerin Deborah Lipstadt vor Gericht, nachdem sie ihn in einem Buch als „authentischen Holocaustleugner, Rassist und Antisemit“ bezeichnet hatte. Im Jahr 2000 wurde die Klage endgültig abgewiesen, nachdem in einem spektakulären Prozess die Aussagen Lipstadts legitimiert wurden.

Oświęcim

Am darauffolgenden Tag führte Gedenkdiener Max Schwaiger seine Kollegen durch das Staatliche Museum Auschwitz und durch seine Einsatzstelle, des Auschwitz Jewish Center im Herzen von Oświęcim und die angeschlossene Synagoge. Sie ist die letzte verbliebene in der kleinen Stadt.

Max Schwaiger: „Diese zwei Museen stehen in starkem Kontrast zueinander. Das Ziel des Jüdischen Museums ist es, explizit auf das Leben dieser Gemeinde, und nicht auf die Vernichtung, wie im Staatlichen Museum, aufmerksam zu machen. Dieser Gegensatz war auch ein Grund für meine Stellenwahl. Ich denke, es ist wichtig an diesem Ort ein Museum zu haben, welches sich mit den positiven Erinnerungen an die Juden der Stadt beschäftigt!“

Krakau

Im Fokus des zweiten Teiles der Reise standen der Besuch der Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Płaszów und des Galicia Jewish Museums im so genannten jüdischen Stadtteil Kazimierz.

Ehemaliges Konzentrationslager Płaszów

Was Płaszów einzigartig macht, ist, dass das 1942 errichtete Arbeitslager, welches später zum Konzentrationslager wurde, mitten in Krakau stand. Der Ort wurde nicht willkürlich gewählt, sondern es befindet sich auf dem Gelände von zwei jüdischen Friedhöfen, welche von den Häftlingen abgetragen und zerstört werden mussten, damit die Grabsteine als Baumaterial verwendet werden konnten. Außerdem wurde ein nahegelegenes Kalkbergwerk von den Nationalsozialisten beschlagnahmt und jüdische Häftlinge dort als Zwangsarbeiter eingesetzt. Heute steht fast nichts mehr von den einst 200 Gebäuden und nur wenige Mahnmäler und Informationstafeln an den Wegen zur Gedenkstätte erinnern an die Grausamkeiten, welche sich an diesem Ort zugetragen haben.

Sven Oprešnik: „Leider wird diese Gedenkstätte von vielen Menschen als Park verwendet. Sie führen ihren Hund spazieren, spielen dort mit ihnen Kindern oder radeln übers Gelände.“

Gedenkdiener Sven Oprešnik präsentierte im Anschluss die Dauerausstellung “Traces of Memory” im Galicia Jewish Museum.

Sven Oprešnik, Gedenkdiener am Galicia Jewish Museum in Krakau, führt durch die Ausstellung “Traces of Memory”

Die Ausstellung zeigt durch aktuelle Bilder die momentane Situation des jüdischen Erbes und die Spuren jüdischen Lebens sowie deren Zerstörung und Aufarbeitung im heute polnischen Teil des ehemaligen Galiziens. Die Idee dieser Ausstellung bekam der Anthropologe Professor Jonathan Webber, der in den 80er-Jahren begann, nach Wurzeln seiner Vorfahren zu suchen und dabei auf viele interessante Spuren jüdischen Lebens stieß. Er schloss sich mit dem Fotografen Chris Schwarz zusammen, welcher später erster Direktor des Museums wurde, jedoch unerwartet im Jahr 2007 verstarb. Das Projekt wurde mit Fotos des Fotografen Jason Francisco erweitert. Was die Ausstellung besonders macht, ist ihr Fokus, der nicht hauptsächlich auf das Thema Holocaust konzentriert ist, sondern versucht dem Besucher den jetzigen und ehemaligen Reichtum der jüdischen Kultur näher zu bringen.

von Stefan Karl, Maximilian Schwaiger und Sven Oprešnik