Politik von Weltrang in einer kleinen Stadt: Bürgermeister von Predappio erhielt Austrian Holocaust Memorial Award 2016

Award-Verleihung

Politik von Weltrang in einer kleinen Stadt – für sein Engagement, dem Ort Predappio ein neues Image zu verleihen und so auch eine objektive Auseinandersetzung mit dem Thema Faschismus zu erreichen, wurde Bürgermeister Giorgio Frassineti am Samstag, den 3. September 2016 in Predappio mit dem Austrian Holocaust Memorial Award 2016 ausgezeichnet. Eingebettet war die Verleihung in ein Rahmenprogramm, dass zahlreichen TeilnehmerInnen die italienische Region Emilia-Romagna vom 2. bis 5. September 2016 näherbrachte.

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Der Austrian Holocaust Memorial Award wurde bereits an Personen auf der ganzen Welt vergeben. 2016 ging der Preis an den Bürgermeister der kleinen Gemeinde Predappio in der norditalienischen Region Emilia-Romagna. Giorgio Frassineti wurde damit für seinen unermüdlichen Einsatz gewürdigt, dem Mussolini-Geburtsort ein neues Image zu verpassen ohne seine besondere Geschichte zu vergessen. Gelingen soll dies durch ein geplantes Dokumentationszentrum des 20. Jahrhunderts mit besonderem Schwerpunkt auf das Zeitalter des Faschismus.

Auftritt von Sängerinnen der Band Art Noveau während des Festaktes. Am Podium im Hintergrund (vlnr): Andreas Maislinger, Giorgio Frassineti, Alberto de Bernardi, Gedenkdienstkandidat Matthias Grafenauer.

Auftritt von Sängerinnen der Band Art Noveau während des Festaktes. Am Podium im Hintergrund (vlnr): Andreas Maislinger, Giorgio Frassineti, Alberto de Bernardi, Gedenkdienstkandidat Matthias Grafenauer.

Am Samstag, den 3. September 2016, fand im Teatro Communale in Predappio die Preisverleihung statt. Nach einem musikalischen Einstieg der Band Art Noveau folgte die Begrüßung durch die Vizebürgermeisterin Chiara Venturi, die neben den Ehrengästen auch die Mitglieder des Vereins Österreichischer Auslandsdienst begrüßte. Neben Bürgermeistern der Nachbargemeinden sowie Vertretern der Presse und des Fernsehens, war auch der Bürgermeister der Provinzhauptstadt Forlì bei der Verleihung vertreten.

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Moderiert wurde die Verleihung von Felix Hafner und Benedikt Schultz. Damit die Gäste einen besseren Einblick in die Arbeit des Vereins Österreichischer Auslandsdienst erhalten konnten, stellten Simon Elmer, Matthias Grafenauer und Felix Hafner die Tätigkeiten des Vereins, insbesondere im Hinblick auf Italien, vor und erklärten den Teilnehmern auch ihre Motivation, Gedenkdienst in Italien leisten zu wollen.

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Die Laudatio hielt Alberto de Bernardi, Professor für Zeitgeschichte an der Universität Bologna, der lobende Worte für das Engagement von Giorgio Frassineti fand und dabei auf die Einzigartigkeit des Projektes hinwies. Er unterstrich, dass es viele Jahrzehnte dauerte, bis ein Bürgermeister von Predappio den mutigen Schritt zu einer objektiven Auseinandersetzung mit dem Faschismus wagte. Auch der Vereinsvorsitzende Dr. Andreas Maislinger fand anlässlich der Überreichung des Preises klare Worte für den Einsatz Frassinetis und unterstrich die politische Weitsicht des Bürgermeisters, der in Predappio „Politik von Weltrang“ betreibe.

Grußbotschaften in Videoform von Sozialminister Alois Stöger und vom ehemaligen Präsidenten Dr. Heinz Fischer, der zum Zeitpunkt der Aufnahme der Videos am 01. Juli 2016 noch amtierendes Staatsoberhaupt der Republik Österreichs war, zeigten, dass auch das offizielle Österreich hinter dem Projekt von Frassineti steht. Giorgio Frassineti bedankte sich in seiner Rede für die große Ehre, die ihm mit der Auszeichnung zu Teil wurde und erklärte ausführlich die Intentionen seines Engagements, insbesondere im Hinblick auf das Dokumentationszentrum, dass in einem leerstehenden Gebäude im Stadtzentrum eingerichtet werden soll.

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In Anbetracht der Übergabe des Austrian Holocaust Memorial Award wurden einige Stunden vor der Verleihung wichtige Schritte für die Realisierung des Dokumentationszentrums in die Wege geleitet: In Predappio wurde dem Institut Parri, das für die Realisierung und die didaktische Umsetzung der Dauerausstellung zuständig ist, die erste Tranche öffentlicher Fördergelder der Region Emilia-Romagna übergeben. Diese sind für die Entwicklung der Pläne und die ersten Vorarbeiten notwendig.

Rahmenprogramm

Nach dem Ende der Veranstaltung gab es ausreichend Möglichkeiten, sich auszutauschen und persönliche Kontakte zu knüpfen, insbesondere weil die Verleihung in das Fest „I Tre Giorni del Sangiovese“ („Tage des Weines Sangiovese“) eingebettet war. Dabei handelt es sich um ein großes Weinfest, welches das ganze Wochenende über mit verschiedenen Veranstaltungen den Ort Predappio belebte und wo man in lockerer Atmosphäre die lokalen Weinspezialitäten probieren konnte. Abseits der Veranstaltung gab es neben dem Weinfest am Samstag bereits am Freitagabend im beschaulichen Stadtteil Predappio Alta bei lokalen Spezialitäten der Küche und des Kellers der Romagna die Möglichkeit, sich mit Giorgio Frassineti über die weitere Zusammenarbeit zwischen dem Verein Österreichischer Auslandsdienst und der Gemeinde Predappio auszutauschen.

Am Freitag stand außerdem die Besichtigung des „Predappio von Mussolini“ am Programm, das auch den Besuch der Ausstellung im Geburtshaus des Duces umfasste. Die Besichtigung des Ortes war zusammen mit anderen Programmpunkten Teil eines ausführlichen Rahmenprogramms, dass die Mitglieder des Vereines, darunter vor allem Kandidaten des Jahrganges 2017, in zahlreiche Städte der Region Emilia-Romagna führte.

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Am Sonntag stand der Besuch der angeblich ältesten Republik der Welt an der Reihe. San Marino befindet sich etwa 50 Kilometer südöstlich von Predappio am Monte Titano, der die Landschaft der Romagna mit seinem markanten Felsen dominiert. Der Kleinstaat ist von Italien komplett unabhängig und besticht durch eine schöne Altstadt, die Teil des UNESCO-Weltkulturerbes ist. Darüber hinaus ist San Marino wegen seiner niedrigen Steuern für Touristen ein beliebtes Ziel, um günstig Alkohol, Parfüme und Konsorten einzukaufen.

Nach San Marino ging es hinunter an die Küste der Romagna, nach Rimini, wo der berühmte Regisseur Federico Fellini seinen bekannten Film „La Dolce Vita“ drehte, der zum Inbegriff des leichten, italienischen Lebens der Nachkriegszeit wurde. Auch die Vereinsmitglieder konnten sich davon überzeugen, dass dem durchaus so ist, und so wurde der Nachmittag am endlosen Strand bei warmen Wasser- und Lufttemperaturen verbracht. Nach einem ausführlichen Abendessen gab es noch ein nettes Zusammensitzen, bei dem weitere Weinspezialitäten der Region probiert wurden.

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Bei sommerlichen Temperaturen wurde am Montag dann auch noch die Hauptstadt der Region Emilia/Romagna, Bologna, besichtigt. Bologna ist vor allem eine Studentenstadt. Die mehr als 100.000 Studenten beleben die Stadt und geben Bologna, in der sich die älteste Universität Europas befindet, ein jugendliches Erscheinungsbild. Neben dem Stadtzentrum mit Piazza Maggiore, dem Dom und den Due Torri, wurde auch das Ghetto Ebraico, das jüdische Ghetto, besichtigt, das von der langen und turbulenten Geschichte Bolognas zeugt.

Neben der Besichtigung einer besonders interessanten Region Italiens bleibt den Vereinsmitgliedern vor allem der Besuch von Predappio und die Verleihung des Austrian Holocaust Memorial Award in besonderer Erinnerung, sowie die große Freude, die man mit der Auszeichnung nicht nur Giorgio Frassineti, sondern dem ganzen Ort gemacht hat.

Predappio ist ein kleiner Ort mit bewegter Erinnerung, der dank eines engagierten Bürgermeisters, seine Vergangenheit nicht vergisst und gleichzeitig den Weg in eine gemeinsame, europäische Zukunft ebnet. Der Verein Österreichischer Auslandsdienst wird Giorgio Frassineti bei diesem Weg bestens unterstützten.

von Felix Michael Hafner
(Mitarbeit: Andreas Jehle und Tobias Mayr)

Pressematerial

Predappio, der Geburtsort von Mussolini – Ein schwieriges Erbe

Felix Hafner - Predappio Bürgermeister Giorgio Frassineti - Michael Kopp
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